Blütenträume in Indien

Ein Herz in die Luft gezaubert: In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi streute Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Blütenblätter auf die Einäscherungsstätte von Mahatma Gandhi. Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaft stottert in Indien vor sich hin. Kanzlerin Angela Merkel hilft nun, im Bürokratie-Stau einen schnelleren Weg zu finden. Indiens Premier Narendra Modi ist ganz auf Merkels Linie.

Die schleppenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Indien und Deutschland sollen durch ein Schnellverfahren für deutsche Unternehmen neuen Antrieb bekommen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vereinbarte mit Premierminister Narendra Modi am Montag in Neu-Delhi die Einrichtung einer neuen Behörde. Am Rande der deutsch- indischen Regierungskonsultationen unterzeichnete die hochrangige Wirtschaftsdelegation diesmal noch keine Milliardenabkommen - die Firmenchefs klagten vielmehr über Willkür, fehlende Rechtssicherheit für Investoren und Unberechenbarkeit.

Merkel bezeichnete Indien mit seinen 1,3 Milliarden Menschen als wichtigen Partner, unter anderem im Bemühen, die Erderwärmung dauerhaft unter zwei Grad Celsius zu halten. Beide äußerten die Hoffnung, dass die Vereinten Nationen dazu bei ihrer Klimakonferenz im Dezember in Paris größtmögliche Verbindlichkeit vereinbaren. Die Bundesregierung will Indien in den kommenden Jahren mit 1,5 Milliarden Euro Entwicklungshilfe in Form von Krediten unterstützen, davon sind 950 Millionen für die Eindämmung der Erderwärmung vorgesehen. Indien ist laut Merkel größter Empfänger deutscher Entwicklungshilfe.

Deutschland und Indien unterzeichneten bei ihren Regierungskonsultationen 18 Absichtserklärungen. Weitere vier Dokumente wurden von deutschen Unternehmen mit indischen Firmen oder staatlichen Organisationen vereinbart. Unter anderem wird für deutsche Unternehmen ein sogenanntes "Fast-Track"-Verfahren eingeführt; statt viel Bürokratie soll es einen einzigen Ansprechpartner geben. Dies sei gerade für mittelständische Firmen sehr wichtig, sagte Merkel. Airbus-Chef Thomas Enders beklagte am Rande der Konsultationen, immer wieder seien öffentliche Ausschreibungen aus "ziemlich dubiosen Gründen" widerrufen worden. "Das hat uns sehr viel Geld gekostet", sagte Enders. Wiederbelebt werden sollen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU. Diese hatte Indien im August einseitig aufgekündigt, nachdem die EU rund 700 Zulassungen für in Indien getestete Arzneimittel eingefroren hatte. Die Regierungen vereinbarten auch, bei der Terrorbekämpfung und der beruflichen Ausbildung eng zusammenzuarbeiten, sowie Deutsch in Indien sowie Sanskrit in Deutschland zu fördern. Deutschland hilft Indien dabei, die Stromerzeugung aus Sonnenenergie bis im Jahr 2022 zu vervielfachen. Gefördert werden sollen vor allem Solardachanlagen, die auf dem sonnenreichen Subkontinent bislang kaum verbreitet sind.
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