Bolivianische Metropole La Paz bekommt mit europäischer Hilfe ein Seilbahn-Netz
Staus lösen sich in Luft auf

Gondeln der roten Linie zirkulieren über das Häusermeer der auf 3600 Meter gelegenen bolivianischen Metropole La Paz. Die Seilbahn soll die Leute von oben nach unten bringen - und umgekehrt. Bild: dpa
Wuppertal ist sicher nicht die schönste Stadt. Hat aber mit der Schwebebahn ein weltbekanntes Verkehrsmittel. So ähnlich ist das auch mit La Paz. Nur drei Nummern größer. Bisher ist der Illimani, der schneebedeckte Hausberg, das bekannteste Erkennungsmerkmal der bolivianischen Metropole.

Doch künftig soll La Paz von einem Netz aus 1400 Seilbahnkabinen überspannt werden. Es gibt bereits die rote, grüne und gelbe Linie - sie symbolisieren die Nationalfarben des lange Zeit bettalarmen Andenstaates. Die haben 234 Millionen US-Dollar gekostet. Nun werden bis 2019 sechs weitere Linien für 450 Millionen Dollar gebaut - allerdings gibt es Ärger über die Trassenverläufe, nicht jeder will einen riesigen Stahlmasten im Garten stehen haben.

25 Millionen Passagiere

Wenn man so will, sind das Evos "Luftschlösser". Denn Präsident Evo Morales, über den die meisten nur mit dem Vornamen sprechen, spendiert dank der Einnahmen aus der Verstaatlichung des Erdgassektors ein Projekt, das beispiellos ist. Morales, früherer Kokabauer und erster indigener Präsident, ist seit 2006 im Amt und bis 2020 gewählt.

"Das wäre früher unmöglich gewesen", sagt César Luis Dockweiler, Chef von "Mi Teleférico" mit Blick auf die Investition. Alles sei mit eigenen Krediten, ohne Weltbank, finanziert worden. "Das ist weltweit einzigartig." Seit 2014 seien bereits 25 Millionen Passagiere transportiert worden, teils bis zu 75 000 pro Linie am Tag. Dazu muss man sich die einzigartige Topographie von La Paz vor Augen führen. Die Stadt mit dem Sitz der Regierung - Hauptstadt ist Sucre - liegt auf 3600 Metern in einem Talkessel. Oben auf dem Altiplano liegt ein paar Kilometer entfernt El Alto, eine überwiegend von Indigenas bewohnte Millionenstadt. Auf 4000 Meter Höhe. Bisher steckten viele Bolivianer, die oben wohnen und unten arbeiten, im Stau, nun genießen sie in 15 Minuten Fahrt spektakuläre Aussichten. Es ist fast meditativ.

"Es gibt kein klimafreundlicheres Verkehrsmittel", so Dockweiler. 85 Prozent der Menschen hier hätten kein eigenes Auto. "Das ist ein Projekt für das Volk". Eine Fahrt kostet drei Bolivianos (25 Cent), angeblich läuft der Betrieb damit kostendeckend. 350 Personen betreiben die Anlage, 17 Stunden am Tag.

Für Mario Mendes (60) ist die Seilbahn ein Segen. "Ich habe jeden Tag eine Stunde gewonnen", erzählt der Lehrer bei der Fahrt zurück nach El Alto. Es ist aber ein sehr windiger Tag, die Gondeln schaukeln, immer wieder stoppt der Betrieb. Wer zahlt eigentlich, wenn eine Gondel mal abstürzen sollte? "Es wird keinen Unfall geben", meint Dockweiler. Kabinen und Kabel kämen aus der Schweiz, Masten aus Österreich und der Stahl unter anderem aus Deutschland. Gebaut hat die Seilbahn Weltmarktführer Doppelmayr aus Österreich.

Neue Märkte

"Dies ist eines der größten Projekte der Firmengeschichte", sagt Sprecherin Julia Schwärzler. Die ersten drei Linien hätten eine Gesamtlänge von zehn Kilometern, elf Stationen und 443 Gondeln. Die sukzessive bis 2019 entstehenden weiteren sechs Linien sollen rund 20 Kilometer haben und 23 Stationen umfassen. In Zeiten des Klimawandels und zurückgehender Potenziale in den Bergen locken hier lukrative Geschäfte. Immerhin machen für Doppelmayr urbane Anlagen schon 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Tendenz steigend.
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