Bombardements der Luftwaffe
Türkei greift Kurden an

Daraja war seit 2012 von der Armee und deren Verbündeten belagert worden. Am Samstag konnten mehr als 3200 Menschen, darunter Zivilisten und Kämpfer, in Bussen die Stadt verlassen. Bild: dpa

Jahrelang war die Rebellenhochburg Daraja im Süden Syriens vom Regime belagert. Nun wurden Tausende Aufständische und Bewohner evakuiert. Im Norden starben Dutzende Menschen bei Luftangriffen der Türkei auf Kurden.

Damaskus/Ankara. Fünf Tage nach der türkischen Invasion in Syrien sind bei Angriffen auf kurdische Truppen Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Bei zwei Bombardements der türkischen Luftwaffe im Norden des Landes seien am Sonntag mindestens 35 Zivilisten gestorben, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Weitere 75 Menschen seien bei den Luftangriffen verletzt worden. Dagegen sprach die türkische Armee von 25 Mitgliedern der Kurdenmiliz YPG, die bei Luftangriffen im Bereich der syrischen Grenzstadt Dscharablus umgekommen seien. Die türkische Armee war am Mittwoch zusammen mit Rebellenverbänden in Syrien einmarschiert. Der Vorstoß gilt einerseits der Vertreibung der Terrormiliz Islamischer Stat (IS). Zugleich will das türkische Militär aber auch die kurdischen Kämpfer in Nordsyrien zurückdrängen.

Am Samstag waren Verbände des Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) mit türkischen Einheiten zusammengestoßen. Dabei wurde auch ein türkischer Soldat getötet. Bei den SDF handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem den IS bekämpft und von den USA unterstützt wird. Die Kurden kontrollieren bereits Gebiete an der Grenze zur Türkei. Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdischen Autonomiebestrebungen im eigenen Land.

Im Süden Syriens steht die einstige Rebellenhochburg Daraja nach mehrjähriger Belagerung seit Samstag wieder unter Kontrolle des syrischen Regimes. Zuvor hätten - wie von der Staatsführung und Aufständischen vereinbart - Einwohner und Kämpfer den wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Damaskus gelegenen Ort verlassen dürfen, berichteten Aktivisten und Staatsmedien am Samstag. Die Regierung hat damit über einen weiteren Teil des Hinterlandes von Damaskus - der Machtbasis von Präsident Baschar al-Assad - die Kontrolle zurückgewonnen.

Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat Versäumnisse der Bundesregierung im Umgang mit dem Militärputsch-Versuch in der Türkei Mitte Juli eingeräumt. "Wahrscheinlich hätten wir schneller hinfahren müssen - am selben Tag oder am Tag danach. Wahrscheinlich hätten wir viel stärker unsere emotionale Beteiligung zeigen müssen", sagte er am Sonntag.
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