Botschaft zum Ramadan
Kardinal Marx: Religionsfreiheit ist Menschenrecht

"Die katholische Kirche lehnt alle Forderungen populistischer Bewegungen, die die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland einschränken wollen, unzweideutig ab." Zitat: Kardinal Reinhard Marx
 
"Heute betrifft es die Muslime, morgen die Farbigen, und übermorgen können es die Juden oder alleinerziehende Frauen sein." Zitat: Bekim Agai, Professor für Kultur und Gesellschaft des Islams in Frankfurt

Bonn/Frankfurt. (KNA/dpa) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat zu Beginn des muslimischen Fastenmonats die Religionsfreiheit als "universales Menschenrecht" hervorgehoben. In einer Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland zum Ramadan betonte Marx: "Die katholische Kirche lehnt alle Forderungen populistischer Bewegungen, die die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland einschränken wollen, unzweideutig ab." Die rechtspopulistische AfD macht immer wieder Front gegen den Islam, in ihrem Parteiprogramm heißt es, der Islam gehöre "nicht zu Deutschland".

Marx unterstrich, ebenso eindeutig "treten wir der Verweigerung der Religionsfreiheit für die Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern entgegen". Der Münchener Erzbischof dankt auch allen Helfern in der Flüchtlingsarbeit. Der Dienst von Christen, Juden und Muslimen sei "gemeinsames Zeichen für die Menschenfreundlichkeit Gottes". Seit Montag sind Muslime aufgerufen, bis Anfang Juli von Sonnenaufgang bis -untergang zu fasten.

Die katholische Kirche lehnt alle Forderungen populistischer Bewegungen, die die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland einschränken wollen, unzweideutig ab.Kardinal Reinhard Marx
Nach Einschätzung des Frankfurter Islamwissenschaftlers Bekim Agai agiert die AfD nicht nur gegen den Islam. "Der Islam ist ein vorgeschobenes Argument dafür, dass sich eine Gruppe dazu aufschwingt, Grundfreiheiten nach eigenem Empfinden zu vergeben", sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Es gehe der Partei also "um die Idee eines anderen Deutschland".

AfD bedient Ressentiments


Die Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland über Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng zeige, "in welche Richtung sich die Partei bewegt. Menschen mit Kollektivmerkmalen zu versehen und Ressentiments zu bedienen - dagegen müssen wir uns wenden", sagte Agai. "Heute betrifft es die Muslime, morgen die Farbigen, und übermorgen können es die Juden oder alleinerziehende Frauen sein."

Heute betrifft es die Muslime, morgen die Farbigen, und übermorgen können es die Juden oder alleinerziehende Frauen sein.Bekim Agai, Professor für Kultur und Gesellschaft des Islams in Frankfurt

Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften müssten sich wehren, fordert Agai: "Wenn wir sie nicht führen, geben wir diesen Haltungen recht." Die AfD entfremde jene von Deutschland, "für die der Islam, Demokratie und die deutsche Verfassung zusammen gehören". Die Partei wiederhole die Argumente von Salafisten, wenn sie den Islam für unvereinbar mit der Demokratie erkläre.

Petition gestartet


Agai hat mit dem Anwalt Murat Kayman eine Petition gestartet. Unter dem Titel "Gemeinsam für das Grundgesetz und gegen die politische Instrumentalisierung des Islams durch die AfD" haben bisher mehr als 4400 Personen unterschrieben; die Petition läuft noch 74 Tage. Zu Erstunterzeichnern gehören neben Wissenschaftlern und Politikern auch Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Kabarettist Abdelkarim und Schauspielerin Melika Foroutan.
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