Brandanschlag auf das Kloster Tabgah in Israel
Feuer über Tabgha

Ein Geistlicher steigt durch die Trümmer des niedergebrannten Attriums vor der Kirche der Brotvermehrung. Bild: dpa

Tabgha. (paa) Der Brandanschlag auf das Kloster Tabgha am Fuß des Berges der Seligpreisungen in Israel hat die Benediktiner schwer getroffen. Entmutigen lassen sie sich nicht, sagt Pater Matthias aus Winklarn. Sie bleiben - obwohl es nicht der erste Angriff war.

Auch Tage nach dem Brandanschlag auf die von den Benediktinern betreute Pilgerstätte Tabgha am Nordufer des Sees Genezareth reißen die Solidaritätsbekundungen nicht ab. Politiker, Bischöfe und Rabbiner, Christen, Juden und Muslime besuchen die kleine Gemeinschaft am Fuße des Berges der Seligpreisungen. Sogar Lebensmittelspenden haben sie erhalten, berichtet Pater Matthias Karl, der in Tabgha lebt, am Telefon. Der Benediktiner stammt aus Schneeberg, einem Ortsteil von Winklarn (Kreis Schwandorf). Im Jahr 1997 wurde er in Regensburg zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren im Dienst des Bistums legte er 2009 in der Dormitio-Abtei in Jerusalem, dem Mutterhaus von Tabgha, die ewige Profess ab. Von 2009 bis 2012 und wieder seit Sommer 2014 lebt er in Tabgha.

79-Jähriger rettet Kirche

In der Nacht des Brandanschlags (18. Juni) war Pater Matthias auf dem Weg zum Flughafen Ben Gurion, um seinen Prior zum Flug zu bringen. Auf dem Rückweg habe er vom Brand erfahren, erzählt Pater Matthias. Es ist dem 79 Jahre alten Pater Zacharias zu verdanken, dass die im Jahr 1982 an alter Stelle neu erbaute Brotvermehrungskirche nicht ebenfalls abgebrannt ist. Die Kirche enthält alte Bodenbilder mit Tieren und das berühmte Brot-und-Fisch-Mosaik.

Eine halbe Stunde stand der Benediktiner in der Nacht auf dem Dach und kühlte bis zum Eintreffen der Feuerwehr mit Wasser die Kirche, erzählt Pater Matthias. Inzwischen ist der aus Mainz stammende Zacharias in die Gemeinschaft zurückgekehrt, er lag zwei Tage wegen einer Rauchvergiftung im Krankenhaus.

Durch den Brandanschlag sind Teile des Atriums vor der Kirche, die Klosterpforte und der Diwan abgebrannt. Die israelische Polizei macht jüdische Extremisten verantwortlich. Die Täter hinterließen Parolen auf Hebräisch. Darin werden "Heiden" geschmäht und die "Zerstörung der Götzen" gefordert. Es ist nicht der erste Übergriff auf Tabgah, aber der Schwerste. Vor einem Jahr wurde die Gebetsstätte Dalmanutha unmittelbar am Seeufer verwüstet.

Auch die Benediktinerabtei Dormitio war schon Ziel eines Brandanschlags - im Mai 2014, kurz nach dem Besuch von Papst Franziskus. "In den vergangenen drei Jahren gab es in Israel mindestens 50 Übergriffe auf Christen und christliche Einrichtungen", sagt Pater Matthias. Jenseits der Solidaritätsadressen brauche es ein Signal des israelischen Staates, dass dies nicht toleriert werde.

Pilger notwendig

Der Benediktiner macht aber auch deutlich, dass sie vor den Extremisten nicht zurückweichen werden. Sie wollen die zerstörten Gebäude wieder aufbauen. Und: Die Arbeit in der Begegnungsstätte Beit Noah, in der behinderte Menschen einen Platz zum Erholen finden, geht weiter. Besonders wichtig ist Pater Matthias, dass sich Pilger und Touristen nicht abschrecken lassen. Denn dann hätten die Extremisten gewonnen. Besucher aus dem Ausland sind vor allem für die Christen und die christlichen Gemeinden im Heiligen Land wichtig - sie leben meist vom Tourismus.
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