Brennpunkt Hessen

Im Rhein-Main-Gebiet haben die radikalislamischen Salafisten einen ihrer Schwerpunkte. Der Staatsschutz der Frankfurter Polizei geht von etwa 400 Salafisten in der Stadt aus, die den bewaffneten Kampf für einen Gottesstaat befürworten. Deutschlandweit zählen die Behörden derzeit etwa 7000 Salafisten, etwa doppelt so viele wie noch 2011. In ganz Hessen sollen es um die 1500 sein.

In Frankfurt machen Salafisten immer wieder durch Koran-Verteilungen auf sich aufmerksam. In mehreren Fällen warben sie in Berufsschulen Schüler an, die als Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg ausreisten. Ein Frankfurter Jugendhaus der Arbeiterwohlfahrt schloss vergangenes Jahr für mehrere Wochen, weil die radikalen Muslime eine Mitarbeiterin bedroht hatten.

Als die Behörden Ende März bundesweit gegen den verbotenen Verein "Tauhid Germany" vorgingen, war neben Nordrhein-Westfalen das Rhein-Main-Gebiet ein Schwerpunkt: Wohnungen in Frankfurt und Wiesbaden sowie ein Boxclub in Offenbach wurden durchsucht.

Im Spektrum des Islams wird der Salafismus als rückwärtsgewandte Bewegung von einer kleinen Minderheit getragen. Salafisten vertreten einen am Koran orientierten Ur-Islam und wenden sich gegen theologische Modernisierungen. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. (dpa)
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