Brexit-Referendum
„Zu viele Ausländer“

London. Nigel Farage, Hardliner im britischen Brexit-Lager, ist eine widersprüchliche Figur. Der EU-Gegner sitzt im Europaparlament - seit 17 Jahren. Zudem ist der Mann, der gegen die Einwanderung aus Europa kämpft, mit einer Deutschen verheiratet - einer EU-Migrantin. Der 52-Jährige, Chef der rechtspopulistischen Ukip, ist mit dem Referendum im Zenit seiner politischen Karriere angelangt. Er war es, der Migration zum Reizthema gemacht hatte. Er war es, der Premier David Cameron an seiner Achillesferse traf.

"Barking and Dagenham" heißt einer der fünf Stadtbezirke Londons, den das Brexit-Lager gewonnen hat - mit 62 Prozent. "Die Einwohner haben es klar und laut ausgesprochen, sie haben den Politikern gesagt, dass sie genug haben", sagt Peter Harris von Ukip. Was er meint, ist klar: "Barking and Dagenham" hat einen hohen Migrantenanteil. Warum gerade hier so viele Leute für den Brexit gestimmt haben? Wegen der vielen Einwanderer, sagt Hausverwalter Paul Murphy (48) frei heraus. "In Chelsea gibt es ja wahrscheinlich nicht so viele." Das Problem seien vor allem die Wohnungen. "Die Einwanderer kommen hierher und beantragen Sozialwohnungen - und die Leute, die hier schon immer leben, werden benachteiligt", meint er. Laut offiziellem Zensus (2011) ist hier der Anteil der britischen Bevölkerung in zehn Jahren von 80 auf 49 Prozent gefallen.

Szenenwechsel: Boston, Mittelengland, 65 000 Einwohner. Mit 76 Prozent hat das Brexit-Lager hier einen Rekord eingefahren. Die Stadt gilt als Ort mit dem höchsten Anteil von EU-Migranten - 10,6 Prozent. Die meisten kommen aus Polen, aus den Baltenstaaten und aus Rumänien. "Es gibt zu viele Ausländer", sagt Lesslie Gardner. Der 74 Jahre alte ehemalige Lastwagenfahrer fügt hinzu: "Ich hab früher um fünf Uhr angefangen und um elf Uhr aufgehört und 100 Pfund verdient. Die Ausländer werden dasselbe für 40 Pfund machen."

Migration - das Thema des Wahlkampfs. Es war nicht zuletzt ein Poster aus der Wahlkampfmaschine Farages, das das Thema ins Zentrum rückte - und Empörung und Abscheu auslöste. Auf dem Poster ist eine Menschenschlange zu sehen - und die Worte Breaking Point (Bruchstelle). Kritiker sagen, Farage und Ukip schüren Ängste vor Ausländern.
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