Brexit-Wahlkampf geht in die Zielgerade
„Das war es dann“

Der britische Premier David Cameron appelliert vor Downing Street 10 in London eindringlich für einen Verbleib in der EU. Bild: dpa

Der Brexit-Wahlkampf geht auf die Zielgerade. Premier David Cameron mobilisiert letzte Reserven. Doch aus der Ferne kommen düstere Drohungen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck macht sich Sorgen.

London/Bukarest/Berlin. Es ist die letzte Kraftanstrengung vor dem EU-Referendum: In einem dramatischen Appell vor seinem Amtssitz Downing Street 10 wandte sich der britische Premierminister David Cameron direkt an die Wähler: "Für Sie, für Ihre Familie und für die Zukunft unseres Landes, stimmen Sie für Drinbleiben", rief er sie am Dienstag auf. Cameron warnte zugleich: Sollten die Briten bei dem historischen Votum am Donnerstag für einen Austritt aus der EU stimmen, gebe es kein Zurück mehr. "Das war es dann. Das ist unumkehrbar. Wir werden dann Europa für immer verlassen."

Mit ähnlichen Worten warnte auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz vor den Folgen eines EU-Austritts. "Wer geht, geht", sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel" (Mittwoch). Der Brexit-Wortführer, Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson, könne nicht darauf spekulieren, "nach einem Brexit auf Zeit zu spielen und eine möglichst gute Vereinbarung mit den EU-Partnern herauszuhandeln".

Bundespräsident Joachim Gauck warnte bei einem Besuch in Rumänien vor einem Rückfall in Nationalismus. "Wir wollen nicht vergessen, welches Unheil der Nationalismus über Europa gebracht hat. Der Frieden in Freiheit ist in Europa keine Selbstverständlichkeit." Zwar stecke die EU in einer Krise, doch das sei kein Grund zur Verzweiflung. Es sei ihm ein Rätsel, wie manche glauben könnten, dass vitale Interessen wie Sicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum nicht von der EU wirkungsvoller vertreten werden könnten als von Einzelstaaten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plädierte für einen Kurswechsel in Europa - auch wenn Großbritannien für einen Verbleib in der EU votiert. Es könne nicht einfach so weiter gemacht werden wie bisher, sagte Schäuble am Dienstag in Berlin. Auch der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn, der für eine weitere EU-Mitgliedschaft Großbritanniens eintritt, sieht Handlungsbedarf: "Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern." Die EU müsse viel demokratischer werden, viel mehr Rechenschaft ablegen, fügte er in einer TV-Sendung am Montagabend hinzu.

Für Sie, für Ihre Familie und für die Zukunft unseres Landes, stimmen Sie für Drinbleiben.David Cameron in einem dramatischen Appell an seine Landsleute
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