Briten stimmen für Ausstieg aus Europäischer Union
Der Brexit kommt, Cameron geht

Der britische Premierminister David Cameron kündigte am Freitagmorgen seinen Rücktritt an. Rechts seine Frau Samantha. Bild: dpa
 
Nigel Farage, Vorsitzender der UK Independence Party, hat Grund zur Freude: Sein Anti-EU-Kurs hat sich durchgesetzt, der Brexit findet statt. Bild: dpa

London. (dpa) Schock für Europa: Die Mehrheit der Briten hat bei einem Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Nach einem erbitterten Wahlkampf entschieden sich 51,9 Prozent der Briten für den Bruch mit Brüssel. Die Angst vor weiterer Zuwanderung und die Sorge um die nationale Souveränität hatten dem Brexit-Lager starken Zulauf beschert. Premierminister David Cameron, der für einen Verbleib geworben hatte, kündigte seinen Rücktritt bis spätestens Oktober an. Er versicherte zugleich, dass Regierung und Parlament den Volkswillen respektieren und mit der EU den Austritt aushandeln werden.

Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent. Insgesamt stimmten 17,4 Millionen Wähler für den Brexit, 16,1 Millionen dagegen. Mit dem Austritt der Briten verliert die EU nach 43 Jahren London als ihre Finanzhauptstadt, ihre zweitgrößte Volkswirtschaft und das Land mit der drittgrößten Bevölkerung. Die internationalen Finanzmärkte reagierten mit Kursstürzen. Das Pfund Sterling fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Der deutschen Aktien-Leitindex Dax stand am Abend 6,82 Prozent im Minus. Kurz nach Handelsstart war er um rund 10 Prozent eingebrochen. Während die britische Führung bei den Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU offensichtlich auf Zeit spielen will, drängen die Spitzenvertreter der Europäischen Union zur Eile. "Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern", erklärten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Parlamentschef Martin Schulz und der niederländische Regierungschef Mark Rutte. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn forderte eine schnelle und zivilisierte "Scheidung". Bereits an diesem Samstag kommen die Außenminister der sechs EU-"Gründerstaaten" in Berlin zusammen, um über die Folgen des Referendums zu beraten. Die führenden Nationen Deutschland und Frankreich wollen gemeinsame Vorschläge zur Weiterentwicklung der Union vorlegen.

Am Rande des EU-Gipfels am Dienstag und Mittwoch in Brüssel soll es bereits ein "informelles Treffen" der 27 geben - erstmals ohne Großbritannien. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die EU sei stark genug, um die richtigen Antworten zu geben. Die Bürger müssten konkret spüren können, "wie sehr die Europäische Union dazu beiträgt, ihr persönliches Leben zu verbessern". In den Verhandlungen mit Großbritannien über den EU-Ausstieg sollten die Beziehungen weiter "eng und partnerschaftlich" gestaltet werden. Rechtspopulistische und europa-kritische Kräfte in Europa jubilierten nun über das Votum der Briten. Erste Forderungen nach Referenden in anderen EU-Staaten wurden laut. Der britische Rechtspopulist Nigel Farage, einer der populärsten Brexit-Befürworter, frohlockte: "Die EU versagt, die EU stirbt." Auch dem Vereinigten Königreich selbst könnte ein Zerfall drohen. So strebt die schottische Regierungspartei SNP nun einen neuen Volksentscheid zur Loslösung von London an, um allein in der EU verbleiben zu können.

Die EU versagt, die EU stirbt.Nigel Farage, britischer Rechtspopulist und einer der populärsten Brexit-Befürworter
2 Kommentare
6
Michael Fritsch aus Pirk | 24.06.2016 | 17:21  
56
Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 29.06.2016 | 23:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.