Britische Konservative suchen neue Führung
Tories bitten zur Wahl

Zwei sind raus: Ex-Verteidigungsminister Liam Fox (Mitte) und Arbeitsminister Stephen Crabb (rechts daneben) sind am Montag aus dem Rennen um den Posten des Premier ausgeschieden. Übrig blieben (von links) Innenministerin Theresa May, Justizminister Michael Gove und Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom. Bild: dpa

Nach dem Brexit-Votum bleibt bei den britischen Parteien kein Stein auf dem anderen. Als erste machen sich die Konservativen auf, eine neue Führung zu wählen und das Feld der Bewerber auszudünnen. Die Favoritin liegt weit vor allen Konkurrenten.

London. In Großbritannien deutet alles auf einen Machtkampf zwischen zwei Frauen um die Führung der konservativen Tories hin. Innenministerin Theresa May (59) brachte in der ersten Auswahlrunde am Dienstag mehr Abgeordnete der Partei hinter sich als alle ihre Rivalen zusammen. Stärkste Konkurrentin ist die Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom (53). Somit könnte erstmals seit dem Rückzug Margaret Thatchers 1990 wieder eine Frau Premier werden. Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron schieden am Dienstagabend zwei der fünf Bewerbern au. Der ehemalige Verteidigungsminister Liam Fox erhielt im ersten Wahlgang laut BBC nur 16 Stimmen der Parlamentarier. May lag mit 165 Stimmen weit vor ihren Konkurrenten: Für Leadsom stimmten 66 Parlamentarier, Justizminister Michael Gove kam auf 48 Stimmen, Arbeitsminister Stephen Crabb auf 34. Am Abend zog dann Crabb seine Kandidatur zurück.

Nach dem Ausscheiden von Fox und Crabb - beide sprachen sich laut BBC für May aus - bleiben drei Bewerber im Rennen für die nächsten Abstimmungen übrig. Den Kampf um den Vorsitz der Tories hatte der angekündigte Rücktritt von Cameron eröffnet, der nach seiner Niederlage beim EU-Votum in den kommenden Monaten abtritt.

May hatte beim Brexit-Referendum eher verhalten für den Verbleib in der EU plädiert. Leadsom und Gove gehören dem Lager der vehementen Austrittsbefürworter an. Die Chancen für die Energie-Staatssekretärin haben sich nach der Unterstützung durch den Brexit-Wortführer und Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson erhöht. Er hatte auf eine Kandidatur verzichtet. May und Gove wollen - falls sie gewählt werden - sich bei Austrittsverhandlungen mit der EU Zeit lassen und mit der formellen Prozedur erst im nächsten Jahr beginnen. Leadsom will dagegen aufs Tempo drücken.

Nun müssen die Tory-Abgeordneten zwei aus den übrigen drei Kandidaten auswählen. Später müssen die rund 150 000 Parteimitglieder dann über die beiden verbliebenen Bewerber abstimmen. Bis spätestens 9. September soll die Personalfrage gelöst sein.

In der Labour-Partei macht der unter Druck geratene Chef Jeremy Corbyn indes weiter keine Anstalten, von sich aus zu gehen. Zwar signalisierte die Abgeordnete Angela Eagle ihre Bereitschaft, den 67-Jährigen herauszufordern. Sie hat aber noch keine offiziellen Schritte unternommen.
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