Brüssel will umstrittene Atomkraftwerke nicht abschalten
Risse reißen Gräben

Berlin/Brüssel. Deutschland hat Belgien gebeten, zwei Atomreaktoren aus Sicherheitsgründen vom Netz zu nehmen - doch Brüssel lehnt das ab. Wegen Tausender feiner Risse in den Reaktordruckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 seien deutsche Fachleute nicht überzeugt, dass die Meiler auch im Störfall sicher seien, teilte das Umweltministerium mit. Ministerin Barbara Hendricks (SPD) habe Brüssel daher ersucht, die Reaktoren "bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen" herunterzufahren.

Die Antwort der belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN fiel eindeutig aus: Man bleibe überzeugt, dass Doel 3 und Tihange 2 internationale Sicherheitsstandards einhielten. Es sei deshalb nicht nötig, die Blöcke abzuschalten. Das etwa 70 Kilometer von Aachen entfernte AKW Tihange und die Anlage Doel bei Antwerpen machen immer wieder Schlagzeilen. Im konkreten Fall geht es um feine Risse in den Wänden der Reaktordruckbehälter, die durch eingeschlossene Wasserstoff-Flocken entstehen.

Im Normalbetrieb sei dies kein Sicherheitsrisiko, betonen die Experten der unabhängigen deutschen Reaktorsicherheitskommission, die sich mit belgischen Kollegen ausgetauscht haben. Ob die Wände auch bei Störfällen steigendem Druck standhalten könnten, sei aber nicht ganz sicher - obwohl es keine Hinweise auf das Gegenteil gebe.
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