Bürgerkrieg und Flucht

US-Minister John Kerry (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow verhandelten über eine Lösung des blutigen Konflikts in Syrien. Bild: Russisches Außenministerium

Der Bürgerkrieg in Syrien und die Flüchtlingskrise hängen zusammen. Nur wenn Russland und die USA an einem Strang ziehen würden, könnte es eine Lösung geben. Bis dahin flüchten Zehntausende nach Europa.

(dpa/KNA) Im Ringen um Auswege aus dem syrischen Bürgerkrieg hat ein Treffen in Wien keine substanzielle Annäherung gebracht. Russland auf der einen und die USA, Saudi-Arabien sowie die Türkei auf der anderen Seite blieben am Freitag weiter uneins über die Zukunft des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Russland hält trotz internationaler Kritik an Assad fest, die USA sehen eine politische Lösung in Syrien nur ohne ihn. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach Gesprächen mit US-Außenminister John Kerry und seinen Kollegen aus Saudi-Arabien und der Türkei, über das Schicksal Syriens könne nur das syrische Volk entscheiden. "Aber nicht auf dem Schlachtfeld oder über irgendwelche Aufstände, sondern über einen politischen Dialog." Kerry sagte, es habe neue Ideen gegeben, "die die Möglichkeit bergen, die Dynamik in Syrien zu ändern". Der seit viereinhalb Jahren anhaltende Bürgerkrieg in Syrien, der nach UN-Angaben bislang rund 4,2 Millionen Menschen ins Ausland getrieben hat, gilt als Hauptauslöser für die derzeitige Flüchtlingskrise in Europa.

Vorwurf gegen Russland

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, kritisierte die Haltung Russlands. "Jeder, der Assad hilft und einem politischen Übergang im Weg steht, wird nur den Konflikt verlängern, mehr Leiden verursachen und (die Terrormiliz Islamischer Staat) IS stärken." Die Situation in Syrien werde durch eine von Russland unterstützte Bodenoffensive des syrischen Regimes verschärft. In den vergangenen Tagen seien 85 000 Syrer vertrieben worden, schrieb Power im Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings schwanken die Angaben zur Zahl der Flüchtlinge: Mindestens 70 000 seien allein im Großraum Aleppo auf der Flucht, sagte Saidun al-Soabi, Leiter einer syrischen Hilfsorganisation. Andere Aktivisten sprachen zuletzt von 20 000 Vertriebenen.

In Griechenland sind nach Angaben von Helfern allein binnen fünf Tagen 48 000 Flüchtlinge aus der Türkei angekommen. Durchschnittlich 9600 Menschen pro Tag seien über das Mittelmeer auf verschiedene griechische Inseln gelangt, sagte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration am Freitag.

Ausrüstung für den Winter

Ähnlich wie Deutschland erlebt derzeit auch Schweden einen großen Zustrom von schutzsuchenden Menschen. Als Konsequenz verschärft das Land die Regeln für die Aufnahme von Asylbewerbern. So wird beispielsweise eine befristete Aufenthaltserlaubnis eingeführt, wobei es auch Ausnahmen gibt. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR versucht Zehntausende Flüchtlinge für den Winter in Europa auszurüsten. UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming sagte in Genf, das Hilfswerk verteile ab sofort Grundausstattungen mit Schlafsäcken, Thermodecken, Regenmänteln, Kleidung und Schuhen.
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