Bundespräsident Joachim Gauck erlebt China mit gemischten Gefühlen
Zwischen Harmonie und Kritik

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt besuchte Bundespräsident Joachim Gauck am Montag in Peking den Sommerpalast. Das deutsche Staatsoberhaupt hält sich zu einem fünftägigen Besuch in China auf. Bild: dpa

Peking. Im Stechschritt, mit aufgepflanztem Bajonett auf den Gewehren marschiert die Ehrengarde vor der Großen Halle des Volkes auf. Vom Tian'anmen-Platz, nur wenige Schritte entfernt, dröhnen Salutschüsse aus Kanonen zur Marschmusik. Hier, wo 1989 in Peking die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen wurde, bekommt das martialische Zeremoniell zu Ehren Joachim Gaucks etwas Bedrückendes. Der Bundespräsident ist sich der Bedeutung dieses Ortes nur allzu bewusst. Aus der Ferne blickt der revolutionäre Staatsgründer Mao Tsetung von seinem Porträt am Eingang zur Verbotenen Stadt auf das Spektakel.

Ähnlich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel versteht Gauck mit seiner ostdeutschen Erfahrung fast intuitiv die politischen Verhältnisse in China. So hegt Gauck zwiespältige Gefühle, als er sich mit Xi Jinping zu Gesprächen hinter den schweren Türen des Großen Ostsaals zurückzieht.

Beide Präsidenten sind vom Zusammenbruch der Sowjetunion geprägt, allerdings auf völlig gegensätzliche Weise. Für Gauck war es ein Glücksmoment, der ihm schließlich die Freiheit brachte und ihn zum Bundespräsidenten machte. Doch für Xi Jinping war das Ende der Sowjetunion eine Katastrophe, deren Wiederholung er in China mit allen Mitteln verhindern will. Nichts erklärt besser seine Motivation - und die verschärfte Verfolgung, die Kontrolle der Gesellschaft und das Einfordern bedingungsloser Loyalität.

Gauck kann und will seine Werte in China nicht verstecken. Doch seine Äußerungen zu Beginn der Gespräche mit Xi Jinping dienen auch der Pflege der Beziehungen: Da ist von Gemeinsamkeiten und der "harmonischen Kooperation" die Rede, nicht von "Differenzen".

Konflikte ansprechen


Er will seinen Einfluss auf den Gang der Dinge nicht überschätzen und hofft zumindest, dass seine Gesprächspartner ihm zuhören. Vor allem hat sich Gauck vorgenommen, nicht aufzutreten wie Briten und Franzosen, bei deren Besuchen die Menschenrechte gar nicht mehr auf den Tisch kommen. Er will Konflikte ansprechen, wohl wissend, dass die Deutschen damit in Peking ernster genommen werden als jene, die sich anbiedern. Es bringe durchaus etwas, wenn ausländische Politiker die Menschenrechtsverstöße ansprächen, sagt der chinesische Anwalt Mo Shaoping. Chinas Präsidenten sei das keineswegs egal. "Er sorgt sich schon darum, was die internationale Gemeinschaft sagt", meint der renommierte Jurist. Die jüngste Kritik von zwölf Ländern in der UN-Menschenrechtskommission, darunter Deutschland, habe einen Nerv getroffen: "Die Reaktion war heftig. Es muss sie berührt haben."

Feueralarm im Hotel


Das Hotel des Bundespräsidenten während seines Besuches in Peking ist am Montag wegen starker Rauchentwicklung und eines Feueralarms geräumt worden. Gauck war zu diesem Zeitpunkt nicht im Hotel, sondern in der deutschen Botschaft, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Wegen des starken Rauchs mussten die Zimmer des Grand Hyatt Hotels geräumt werden. Teile der deutschen Delegation mussten über die Feuertreppe ins Parterre und versammelten sich in der Lobby des Hotels. "Wir untersuchen die Ursache und wissen nicht genau, was passiert ist", sagte ein Hotelmitarbeiter.
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