Bundespräsident Joachim Gauck gedenkt den Leistungen der sowjetischen Soldaten
Danke an Rote Armee

Der Westen brandmarkt Russland wegen des Ukraine-Konflikts als Aggressor. Das darf Deutschland aber nicht daran hindern, an den Beitrag der Roten Armee zur Befreiung 1945 zu erinnern, meint Bundespräsident Joachim Gauck.

Bundespräsident Joachim Gauck hat anlässlich des 70. Jahrestags des Kriegsendes an die Leistungen und Leiden der sowjetischen Soldaten erinnert - unabhängig von ihrer späteren Rolle als Besatzungsmacht. "Am 8. Mai sind wir befreit worden - nicht nur, aber auch durch die Völker der Sowjetunion. Deshalb schulden wir ihnen Dankbarkeit und Respekt", sagte das Staatsoberhaupt der "Süddeutschen Zeitung". Gauck fügte hinzu: "Und das gilt ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt haben."

Gauck verwies auch auf die deutschen Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen. "Von den insgesamt rund fünfeinhalb Millionen sowjetischen Soldaten in der Gewalt der deutschen Wehrmacht hat weniger als die Hälfte überlebt", sagte er. "Ich finde, wir haben bei der Aufarbeitung der NS-Zeit wirklich vieles geleistet. Aber immer wieder gab es auch Gruppen von Opfern, die dabei gar nicht oder zu spät oder zu wenig berücksichtigt wurden - die sowjetischen Kriegsgefangenen gehören dazu."

Politiker der Opposition riefen die Bundesregierung auf, ehemalige sowjetische Kriegsgefangene zu entschädigen. "Wir wollen, dass jeder Überlebende einmalig 2500 Euro erhält", sagte der Grünen-Politiker Volker Beck (Grüne). "Es geht dabei nicht primär ums Geld. Es geht darum, endlich das NS-Unrecht anzuerkennen, das diesen Menschen zugefügt wurde." Die Linksfraktion fordert 7650 Euro für jeden Betroffenen.

Das gemeinsame Gedenken an das Kriegsende ist in diesem Jahr vom Zerwürfnis mit Russland in der Ukraine-Krise überschattet. Die meisten Staats- und Regierungschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren die großen Feiern in Russland am 9. Mai zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reist aber am 10. Mai nach Moskau und legt gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder.

Es sei es ihr "sehr wichtig", der Millionen Toten zu gedenken, "die Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg heraus zu verantworten hat", sagte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Videobotschaft - trotz der "im Augenblick sehr tiefgehenden unterschiedlichen Meinungen".
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