Bundeswehr-Standort kann nicht mehr erhalten werden
Amberg verliert 450 Jobs

OB Michael Cerny geht davon aus, dass die Leopoldkaserne keine militärische Zukunft mehr hat. Bild: Steinbacher
Das Feedback aus dem Ministerium sei "immer sehr freundlich" gewesen, sagt OB Michael Cerny. Aber große Chancen auf den Erhalt der Leopoldkaserne als Bundeswehr-Standort sieht er nicht mehr. Die frei werdende Immobilie bereitet Cerny keine Sorgen. Etwas anderes schon: "Wir verlieren 450 Arbeitsplätzen."
Natürlich habe die Stadt darum gekämpft, die Bundeswehr in Amberg zu halten. Doch am Beschluss, den Stab der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus der Leopoldkaserne nach Cham zu versetzen, sei wohl nicht mehr zu rütteln, so Cernys Einschätzung. Eine Chance hätte Amberg vielleicht, wenn die Bundeswehr im Zuge ihrer Reform plötzlich noch eine Liegenschaft "für 300 Leute" bräuchte. Aber auf so eine Wendung könne man nicht "bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten", sagt der OB im Gespräch mit der AZ: "Wir brauchen jetzt eine Lösung."

Seinem Vorgänger Wolfgang Dandorfer bereitete die künftige Nutzung der unter Denkmal- und Ensembleschutz stehenden Kasernen-Gebäude Kopfzerbrechen. Cerny sieht ein anderes Problem als das gravierendere an: Wenn die Bundeswehr Amberg aufgebe, bedeute das den Verlust von 450 Arbeitsplätzen. "Wäre das eine Firma, dann würden alle sagen, das ist Wahnsinn", so beschreibt der OB die Dimension dieses Aderlasses. Für Stadt und Region, wo die Brigade-Soldaten zu Hause seien, sei dies "eine große Schwächung".

Um die einigermaßen verkraften zu können, brauche man Unterstützung. Cerny weiß aber auch: "Wenn die Staatsregierung uns helfen soll, müssen wir eine Idee entwickeln, was man dort unterbringen kann, damit unser Hilferuf konkreter wird." Die Frage sei, wer das Areal entwickeln soll. Was Amberg nicht brauche, sei "ein zweites Bundeswehrlazarett" - damit spielt Cerny auf das ehemalige Militärkrankenhaus an, für das ein Investor einst große Pläne hatte, die nie Wirklichkeit wurden. Die Enttäuschung darüber klingt durch: "Letztendlich ist da auch nach vielen Jahren keine Entwicklung da."

Stadt will nicht draufzahlen

Bei der Leopoldkaserne dürfe es jedenfalls nicht dazu kommen, "dass es nur einen Gewinner gibt", nämlich den Bund, der die Liegenschaft "bestmöglich verkauft - und die Last der Entwicklung liegt bei der Stadt Amberg". Diesbezüglich habe sich Amberg schon mit der Staatskanzlei abgestimmt, berichtet Cerny und verweist auf das integrierte Stadt- Entwicklungskonzept (ISEK), über das man Fördermittel bekäme. Ziel sei es, den Wert der Kaserne jetzt "einzufrieren", um dann die Wertsteigerung durch die Entwicklung gegenrechnen zu können. "Damit wir nicht am Schluss draufzahlen und der Bundesfinanzminister hat sich zulasten der Stadt Amberg optimiert", erklärt Cerny - "aber das will der selber auch nicht."

"Sehr viel Geld"

Der vordere Teil der Kasernengebäude steht unter Denkmalschutz, Auch dafür gebe es Finanzhilfen. "Aber das macht es nicht einfacher", weiß Cerny, auch mit Blick auf die schlechte Erschließbarkeit des Geländes, derzeit nur über das "Nadelöhr" Kasernenzufahrt an der Leopoldstraße. Um eine Förderung zu bekommen, muss sich Amberg für die Entwicklung externen Sachverstand ins Boot holen. Das ist ganz im Sinne des OB: Zwar würde das eigene Baureferat das auch selbst hinbekommen, ist er sich sicher - aber die Mitarbeiter dort würden angesichts weiterer Großprojekte wie dem alten Bürgerspitalgelände und dem Marien-Parkdeck bereits an Kapazitätsgrenzen stoßen.

Überrascht war Cerny darüber, dass die Staatsregierung für die Umwandlung militärischer Liegenschaften für eine zivile Nutzung "im Haushalt sehr viel Geld vorgesehen hat, um die Kommunen in der Planung zu unterstützen". Das, sagt der OB, "ist ein gutes Zeichen". (Angemerkt)
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