"Bush III" ist kein Selbstläufer

In Miami machte Jeb Bush seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft offiziell: Seine Antrittsrede fiel erstaunlich kämpferisch aus, die Anhänger jubelten allerdings eher pflichtschuldig als enthusiastisch. Bild: dpa

Jeb Bush trägt ein schweres Erbe. Wenn er nicht aus dem Schatten seines ungeliebten Bruders George W. herauskommt, kann er den Traum vom Weißen Haus vergessen. Ihm steht ein schwerer Wahlkampf bevor.

Gleich bei seiner Antrittsrede als US-Präsidentschaftskandidat setzt Jeb Bush das alles entscheidende Signal. Das Wichtigste an seiner Rede ist, was er nicht sagt: Mit keinem Wort erwähnt er seinen Vater und seinen Bruder, die bereits im Weißen Haus regierten. Klarer kann die Botschaft nicht sein: Jeb Bush, 62 Jahre alt und früher Gouverneur von Florida, will nicht an seinem Clan scheitern. Schon jetzt steht fest: Der Wahlkampf für ihn wird nicht leicht sein. "Mehr als ein Name", titelt denn auch die "Washington Post" am Dienstag. "Die Wähler sollten Jeb Bush an seinen Taten messen, nicht an seiner Familie."

Irakkrieg, Finanzkrise und Schuldenberg - es ist vor allem das dunkle Erbe des Bruders George W., das den Weg ins Weiße Haus verbauen könnte. Bruder Bush ist nicht nur beim Wahlvolk unbeliebt, sondern auch in den Reihen der Republikaner. Wenn Jeb Bush es nicht schafft, sich von ihm zu distanzieren, zerschellt der Traum vom Weißen Haus schon bei den Vorwahlen.

Erstaunlich kämpferisch fällt seine Antrittsrede in Miami aus. Hochfliegende Pläne eingeschlossen. Vier Prozent Wachstum, 19 Millionen neue Jobs - das sind Verheißungen, die derzeit kein anderer Bewerber wagt. Seine Anhänger in Miami jubeln. Endlich kommt der sonst Zurückhaltende, ja als introvertiert geltende Mann aus der Deckung. Sein Credo: Ich kann es - und ich kann es besser. "Wir werden die Zukunft in diesem Land wieder in die Hand nehmen." Die Republikaner atmen auf. Das ist die zweite Bürde von "Bush III": Er ist kein großer Redner, kein Mann mit Charisma, der die Massen mitreißt. Der Auftritt in Miami ist geschickt inszeniert, Bush spricht von seinen einstigen politischen Erfolgen als Gouverneur. Warmherzig begrüßt er seine Mutter Barbara. Die Anhänger jubeln brav. Doch ein mitreißendes Ereignis, ein Fest der Emotionen, ist das nicht.

Zwar steht Bush in Umfragen gut da. Doch er führt keinesfalls mit überzeugenden oder zumindest beruhigenden Abstand. Die Verfolger sind ihm auf den Fersen. Obendrein gibt er das auch noch offen zu: "Ich weiß, dass gute Leute für die Präsidentschaft ins Rennen gehen, eine ganze Menge sogar." Musste er das so deutlich sagen?

Immerhin elf republikanische Konkurrenten haben bereits ihren Anspruch angemeldet, darunter Schwergewichte wie Marco Rubio, Senator aus Florida, und der Baulöwe Donald Trump. Als weiterer scharfer Konkurrent gilt Scott Walker, der stramm rechtskonservative Gouverneur aus Wisconsin. Auch Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, gilt als Mann, der sich noch einschalten dürfte. Insider meinen: Noch ist die Nominierung offen, "Bush III" ist kein Selbstläufer.

Die dritte Hürde, die zwischen Bush und dem Weißen Haus steht, hat ebenfalls einen großen Namen. Hillary Clinton. Sie verfügt über Mega-Ehrgeiz und hat viel, viel Geld hinter sich. Zudem hat sie aber das, was Bush nicht oder nur sehr wenig hat: Ein Hauch von Charisma und die Fähigkeit, das eigene Lager in Begeisterung zu versetzen.

US-Medien sprechen schon vom "Kampf der Dynastien", nach dem sie sich die Finger lecken. Denn ein Duell Clinton-Bush verspricht hohe Quoten und hohe Auflagen. Doch auch hier ist Vorsicht angesagt: Schon 2008 wähnte sich Clinton am Ziel - bis dieser weithin unbekannte "junge Mann" Barack Obama auftrat.
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