Can Dündar
Gauck empfängt verfolgten Journalisten

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt empfangen im Schloss Bellevue in Berlin den ehemaligen Chefredakteur der türkischen Tageszeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, zu einen Gespräch. Bild: Wolfgang Kumm/dpa

Der Bundespräsident lädt den in seiner Heimat verfolgten türkischen Journalisten Dündar ins Schloss Bellevue ein. Damit findet Gaucks Kritik an Präsident Erdogan eine demonstrative Fortsetzung.

Berlin/Istanbul. Bundespräsident Joachim Gauck hat bei einem Treffen mit dem türkischen Journalisten Can Dündar "erhebliche Sorge" über die Entwicklung von Rechtsstaat und Pressefreiheit in der Türkei zum Ausdruck gebracht. Die Einladung an den in seiner Heimat zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilten ehemaligen Chefredakteur der Tageszeitung "Cumhuriyet" sei Zeichen des Respekts für Dündars Engagement, sagte Gauck nach Angaben von Teilnehmern des Treffens.

Bei dem 90-minütigen Gespräch am Montag im Schloss Bellevue kritisierte Dündar demnach die europäische Politik gegenüber Ankara. Europa habe es nicht geschafft, der Türkei eine Alternative zum System des autokratischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufzuzeigen. Dündar zeichnete bei der Unterredung ein "düsteres, aber auch differenziertes Bild" der Türkei, hieß es nach dem Gespräch. Der Journalist hatte sich nach einer Verurteilung wegen Geheimnisverrats nach Deutschland abgesetzt. Gauck betonte, Dündar sei in Deutschland als Gast willkommen.

Der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, der bei dem Treffen dabei war, sprach anschließend von einem "wertvollen Zeichen der Solidarität" mit den vielen in der Türkei verfolgten Journalisten. Jetzt sei auch Unterstützung notwendig - zum Beispiel durch unbürokratische Nothilfe-Visa für akut bedrohte Journalisten.

Unterdessen verglich der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn die Entwicklungen in der Türkei mit denen in der Nazi-Zeit und brachte mögliche Wirtschaftssanktionen gegen Ankara ins Spiel. Zum Vorgehen der Regierung unter dem von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ausgerufenen Ausnahmezustand sagte Asselborn am Montag im Deutschlandfunk: "Das sind Methoden, das muss man unverblümt sagen, die während der Nazi-Herrschaft benutzt wurden."

Der türkische EU-Minister Ömer Celik verteidigte die Verhaftungswelle gegen Kritik und verglich das Vorgehen mit dem "Kampf gegen die Nazis". Mit Blick auf die in der Türkei inzwischen als "Fetö" bezeichnete Gülen-Bewegung sagte er: "Neben der Fetö-Terrororganisation stehen die Nazis wie Lehrlinge da." Die Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

In der Türkei wurde ein weiterer Abgeordneter der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen: Nihat Akdogan
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