Cape der guten Hoffnung

In einem gelben Cape trotzte Franziskus dem Tropenregen auf den Philippinen. Die Abschlussmesse in Manila sprengte offenbar bisherige Rekorde. Bis zu sieben Millionen Menschen sollen gekommen sein. Damit wäre es die größte katholische Messe aller Zeiten. 1995 waren zu Johannes Paul II. ebenfalls in Manila mindestens vier Millionen gekommen. Bild: dpa

Eine Woche lang hat Papst Franziskus Asien bereist. Einen Kontinent, den der 78-jährige Lateinamerikaner bis zu seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Weltkirche noch kaum kannte. Und doch sieht Franziskus offenbar gerade hier die Zukunft.

Die High-Tech-Nation Südkorea hatte Franziskus schon im August 2014 besucht. Nun kamen Sri Lanka mit seinen ethnischen und kulturellen Konflikten sowie die tief katholischen, aber von krasser sozialer Ungleichheit geprägten Philippinen hinzu.

In Sri Lanka stand vor allem die Botschaft der Versöhnung nach dem Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen (1983-2009) im Mittelpunkt. Auch nach dessen Ende ist Sri Lanka eine ethnische Zweiklassengesellschaft geblieben. "Alle müssen eine Stimme haben", forderte Franziskus auf der Insel im Indischen Ozean. Als erster Papst reiste er auch ins Gebiet der besiegten tamilischen Rebellen. Die religionsübergreifende Verehrung des Marienheiligtums Madhu dort beeindruckte ihn sehr.

Auf den Philippinen wurde der "Papst der Armen" dann schließlich in Manila von Millionen Menschen begeistert empfangen. Acht von zehn Bewohnern gehören im einzigen asiatischen Land mit großer katholischer Mehrheit neben Osttimor der Kirche an. Sehr viele sind fromm; das Elend ist krass. Gleich hinter den Luxushotels an der Manila Bay schlafen selbst Säuglinge auf dem Bürgersteig. Für einen Staatsgast ungewöhnlich direkt sprach der Papst denn auch die menschenverachtenden Zustände an. Die skandalöse Ungleichheit führe zu einer "kranken Gesellschaft". Gewissermaßen in der Höhle des Löwen, der Residenz von Staatspräsident Benigno Aquino, verurteilte Franziskus vor Regierung und Parlamentariern eine hemmungslose Korruption, die Ungerechtigkeit zementiert und die Armen bestohlen habe. Es brauche "einen Wandel der Mentalität und des Herzens".

Auch der teils sehr machthörigen Kirche des Landes schärfte Franziskus die Kernbotschaft des Evangeliums ein: Bischöfe und Priester hätten nicht dem Reiz der Annehmlichkeit, sondern Jesus zu folgen und sich ganz in den Dienst der Notleidenden zu stellen.

Dem Volk ganz nah

Zwar besuchte Franziskus keinen Slum wie 2013 in Rio de Janeiro. Dafür machte er einen Abstecher zu den Opfern von Tacloban, wo der Wirbelsturm "Haiyan" vor einem guten Jahr Tausende in den Tod gerissen hatte. Ein gelbes Plastik-Cape, das er während der Messe über seinen liturgischen Gewändern trug, ebenso wie die Gottesdienstbesucher, wurde zum Symbol: Ich bin einer von euch. Kurz darauf musste der Papst aufgrund des Unterwetters vier Stunden früher als geplant nach Manila zurückfliegen.

Dort traf Franziskus in diesen Tagen auch Straßenkinder und Jugendliche. Er warnte vor einer "ideologischen Kolonialisierung" der Familie durch westlichen Einfluss. Die von ihm geforderte "Offenheit für das Leben" ist auf den Philippinen derzeit sehr umstritten. Eine Mehrheit sieht das immense Bevölkerungswachstum als Armutsgrund Nummer eins und fordert Verhütungsmittel.
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Manila (11)Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.