CDU analysiert Landtagswahlen
Merkel mahnt CSU

Die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Zweite von rechts) spricht mit den Spitzenkandidaten der Landtagwahlen Guido Wolf (Baden-Württemberg, rechts), Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz) und Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt, Zweiter von rechts) im Konrad-Adenauer-Haus. Bild: dpa

Die Wahlschlappen machen der Kanzlerin die EU-Verhandlungen über die Flüchtlingskrise noch schwerer. Aber sie bleibt bei ihrem Kurs - bleibt die Union dann noch bei Merkel?

Berlin. Eine für alle. Angela Merkel steht mit den drei CDU-Spitzenkandidaten auf dem Podium in der Parteizentrale und nimmt deren Stimmenverluste bei den Landtagswahlen auf die eigene Kappe. Die Flüchtlingspolitik sei das alles dominierende Thema gewesen, sagt die CDU-Chefin und lenkt Angriffe gegen Julia Klöckner, Guido Wolf und Reiner Haseloff damit gleich auf sich selbst. "Das ist eine sehr stark bundespolitische Frage, und damit ist ja auch Verantwortung verbunden", betont Merkel. Nämlich ihre. Seit Monaten wehrt sich die Kanzlerin gegen eine deutsche Obergrenze für Flüchtlinge und setzt auf eine europäische Lösung. Aber so dramatisch der CDU-Absturz vor allem im Südwesten auch sein mag, Konsequenzen zieht Merkel nicht: "Ich bin für eine europäische Lösung. Die braucht Zeit."

Stellt sich die Frage, ob in der Union alle für Merkel einstehen werden - CDU und CSU für ihre Kanzlerin. Am Montag sieht es nicht danach aus. Allen voran setzt wieder CSU-Chef Horst Seehofer Merkel unter Druck. Die bleibt aber standfest. Zerrissenheit und Streit mögen Wähler nicht, analysiert Merkel kühl. Das haben Klöckner und Wolf wegen ihrer Absetzbewegungen von Merkel im Wahlkampf zu spüren bekommen. Merkel meint aber auch den Konflikt mit Seehofer. "Differenzen sind für CDU und CSU, für die Wähler, auch immer schwer auszuhalten." Ein Präsidiumsmitglied berichtet, man könne dessen Tiraden nicht mehr hören. Das helfe der Union nicht. Ein anderer äußert Bedenken, Merkel könnte wegen des Theaters zur Bundestagswahl 2017 nicht mehr antreten.

Ein dritter spricht von zwei Denkschulen in der Union: Die eine stütze Merkel jetzt erst recht, die andere fürchte, dass aus den Wahlergebnissen vom Sonntag ein Trend gegen die CDU werde. Vor allem auf Kommunalebene hätten es CDU-Politiker schwer, Merkel noch zu folgen, wenn sie nach jahrelanger eifriger Kommunalpolitik plötzlich von einem völlig unbekannten und uninformierten AfD-Politiker verdrängt würden.

Mit der AfD will sich die Union nun "argumentativ" auseinandersetzen. Sie entlarven, zeigen, dass sie kein belastbares Konzept, keinen Plan hat und zerstritten ist. Das Wichtigste ist aber wohl, was Merkel sagt: Probleme lösen. Es habe die drei Wahlen "sehr stark bestimmt, dass noch keine abschließende nachhaltige Lösung da ist" in der Flüchtlingskrise. Sie erinnert erneut daran, dass sie nicht nur CDU-Chefin ist, sondern als Kanzlerin auf internationaler Ebene verhandelt. Da ist Deutschland dann ein Land von vielen, das auch Kompromisse suchen muss.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.