CDU öffnet Steuerventil

Kompromiss in letzter Minute: Die CDU-Spitze gibt Forderungen der Basis in der Steuerdebatte nach. So könnte der Parteitag ohne großen Krach verlaufen. Die Kanzlerin sieht aber auch Grund zur Vorsicht.

Die Bürger können auf eine erste steuerliche Entlastung bei der kalten Progression unter Schwarz-Rot bis 2017 hoffen. Die CDU-Führung unter Kanzlerin Angela Merkel schwenkte am Montag kurz vor dem Bundesparteitag in Köln auf Forderungen des Wirtschafts- und des Arbeitnehmerflügels ein.

Merkel vor Wiederwahl

Merkel will am heutigen Dienstag zum achten Mal in Folge zur Parteichefin gewählt werden. Die CDU-Vorsitzende stellte den Kompromiss ihrer Partei ausdrücklich unter den Vorbehalt des weiteren Verzichts auf neue Schulden und auf Steuererhöhungen. Die CDU habe daher einerseits vorsichtig "und anspornend andererseits formuliert, indem wir gesagt haben, wir wollen Spielräume erarbeiten". Das heiße, "im Augenblick haben wir sie noch nicht. Aber wir spornen uns an, dass wir sie gewinnen", sagte Merkel in den ARD-"Tagesthemen".

Die CDU formulierte nun, dass noch in dieser Legislaturperiode mit einem ersten Schritt zur Abmilderung der auch als heimliche Steuererhöhung bezeichneten Belastung begonnen werden soll. Die kalte Progression entsteht, wenn Gehaltserhöhungen nur die Inflation ausgleichen, der Arbeitnehmer aber in einen höheren Einkommensteuertarif rutscht und seine Kaufkraft dadurch nicht steigen kann oder sogar sinkt. Mit Blick auf die Bedingungen für einen Abbau sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber nach einer Vorstandssitzung: "Ich glaube daran, dass wir das können." Wie groß der erste Schritt ausfallen werde, hänge "von Größe und Umfang der Spielräume ab". Ursprünglich wollte sich die CDU-Spitze nicht auf ein Datum festlegen. 19 Verbände hatten einen Antrag eingebracht, mit der "Steuerbremse" spätestens 2017 zu beginnen. Vertreter der Verbände betonten, der Abbau der kalten Progression bleibe danach eine Daueraufgabe.

Thema auch bei CSU

Die CSU will bei ihrem Parteitag am Wochenende beschließen, dass zum 1. Januar 2017 mit dem Abbau begonnen werden soll. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, wenn die Bundesländer mitzögen, wolle die SPD die Bürger noch vor der Bundestagswahl 2017 entlasten. "Ob der Abbau im Jahr 2016, 2017, 2018 aufwachsend erfolgt oder in einem Jahr, wird sicher abhängen von den Verhandlungen mit den Ländern."
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