CDU-Parteitag unterstützt Flüchtlingskurs der Bundeskanzlerin
Angela Merkels Triumph

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigt den Leitantrag zur Flüchtlingspolitik. Bild: dpa

Angela Merkel hält in Karlsruhe eine ihrer stärksten Reden. Viele Delegierte sind geradezu ergriffen. Sie selbst auch. Am Ende bekommt die Kanzlerin ein "Bomben-Ergebnis".

Karlsruhe. Es ist nicht Angela Merkels Stärke. Aber jetzt, da oben auf der Bühne, macht sie all das, was ihren Reden oft fehlt. Sie kämpft, erklärt, baut Brücken, dankt. Und bittet. Die Physikerin hält beim CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe am Montag eine freie, aufrüttelnde, auch emotionale Rede. 73 Minuten lang.

Die CDU-Vorsitzende kann ihrer Partei nicht viel Neues zu ihrer Flüchtlingspolitik berichten, weil sie alles schon viele Male gesagt hat. In Bürgerversammlungen, auf CDU-Regionalkonferenzen, im Bundestag, in Brüssel. Und nun sagt sie es alles noch einmal. Aber anders. Die Delegierten sind ergriffen, am Ende applaudieren sie im Stehen. Neun Minuten. Merkel ist gerührt.

Hätte sie jetzt angekündigt, dass sie zur Bundestagswahl 2017 wieder antritt, wäre der Rest des Parteitags wohl eine Formalie gewesen. So aber muss Merkel aufpassen, dass alles so beschlossen wird, wie sie es für ihre Flüchtlingspolitik braucht. Nach aufreibenden Wochen, in denen sie Unionsmitglieder ratlos, verunsichert und empört hat, kommt es nun darauf an zu versöhnen, nach vorn zu schauen. Auch mit der CSU.

Mit Kompromiss gestartet


Zwar ist die Kanzlerin mit einem Kompromiss in den Kongress gegangen. Die Junge Union zog ihren Antrag zu einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen zurück, nachdem ein Passus in den Leitantrag zur Gefahr der Überforderung aufgenommen wurde. Aber auch eine Kanzlerin kann sich nicht sicher sein, wie 1000 Delegierte abstimmen. So geht Bundesinnenminister Thomas de Maizière persönlich ans Mikrofon, als es darum geht, einen Initiativantrag der Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach und Armin Schuster abzuschmettern. Sie wollen eine Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze. Der Minister wendet die Schlappe für Merkel ab.

Merkel zieht alle Register. Sie erinnert an die CDU-Kanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Helmut Kohl. Sie dankt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, de Maizière, der Jungen Union, der Mittelstandsvereinigung, den Kommunalpolitikern - mit allen hatte sie in den vergangenen Wochen Stress. Und sie dankt den Helfern, den Polizisten, den Soldaten. Applaus. Applaus.

Lob für die CSU


Merkel beschwört die Schwesterparteien: "Es kommt auf CDU und CSU an, egal, was es mal für einen Parteitag gibt." Und scherzt: "Langweilig war der letzte nicht." Damit reicht sie - zumindest nach außen - CSU-Chef Horst Seehofer, der sie in München wegen ihres Neins zur Obergrenze abgekanzelt hatte, die Hand. Seehofer soll heute in Karlsruhe sprechen. Sie dankt ihm und der CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt - und als kein Applaus kommt, fordert Merkel zum Klatschen auf. Die Delegierten folgen. Um 17 Uhr wird über den Leitantrag abgestimmt. Tagungsleiter Peter Hintze verkündet: Von den 976 Delegierten haben zwei gegen den Antrag gestimmt, "zwei oder drei" haben sich enthalten. "Bomben-Ergebnis", urteilt Hintze.
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