Chaos in Köln: Erste personelle Konsequenzen
Polizeipräsident bekommt den Laufpass

Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers (links) muss gehen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (Mitte) versetzte ihn in den einstweiligen Ruhestand. Zuvor hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärt, das Vertrauensverhältnis zur Polizeiführung sei wegen zurückgehaltener Informationen "erheblich erschüttert". Bilder: dpa
 
Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers (links) muss gehen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (Mitte) versetzte ihn in den einstweiligen Ruhestand. Zuvor hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärt, das Vertrauensverhältnis zur Polizeiführung sei wegen zurückgehaltener Informationen "erheblich erschüttert". Bilder: dpa

Die Kölner Chaos-Nacht hat personelle Konsequenzen für die Polizeispitze. Die Aufklärung der Vorfälle an Silvester ist damit noch lange nicht zu Ende. Offenbar befinden sich doch auch Asylbewerber unter den Tatverdächtigen.

Köln/Berlin. Eine Woche nach den massiven Übergriffen gegen Frauen in Köln hat die nordrhein-westfälische Landesregierung mit dem Rauswurf von Polizeipräsident Wolfgang Albers die Notbremse gezogen. Zugleich benannte das Bundesinnenministerium am Freitag erstmals Asylbewerber als Tatverdächtige der Krawalle, ohne sie direkt mit den Sexualdelikten eines kriminellen Mobs in Verbindung zu bringen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) plädierte für eine rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle aus der Silvesternacht, sie will alle Fakten auf dem Tisch haben. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) versetzte den massiv in die Kritik geratenen Kölner Polizeichef Albers am Freitag in den einstweiligen Ruhestand. "Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen", erklärt er. Zuletzt waren gegen Albers immer mehr Rücktrittsforderungen laut geworden. Albers wurde vorgeworfen, die Öffentlichkeit nicht rechtzeitig informiert und Details zur Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben. Im einstweiligen Ruhestand bezieht der Beamte dasselbe Geld wie bei einer Pensionierung.

Verstärkung angeboten


Die Bundespolizei stellte nach Stand vom Freitagabend 32 namentlich bekannte Tatverdächtige in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof fest, überwiegend Körperverletzungen und Diebstähle betreffend. Unter den 32 Verdächtigen sind laut Bundespolizei 22 Asylbewerber. Es handelt sich aber nur um diejenigen Fälle, die in die Zuständigkeit der Bundespolizei fielen.

Die Kölner Polizei ermittelt zudem gegen mehr als 20 mutmaßliche Täter. Die Zahl der Anzeigen stieg bis Freitag auf rund 170, drei Viertel davon mit sexuellem Hintergrund. In Hamburg gingen seit der Silvesternacht bei der Polizei innerhalb einer Woche 108 Strafanzeigen wegen sexueller Übergriffe auf Frauen ein.

Die NRW-Landespolizei bot den Einsatzverantwortlichen in der Kölner Silvesternacht nach eigener Darstellung weitere Verstärkung an. Dies sei aber in Köln abgelehnt worden, wie es hieß..

Woelki: Üble Hetze


Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat davor gewarnt, die Übergriffe in der Silvesternacht für Diskriminierung und Rassismus zu nutzen. Er sei besorgt, dass nun "viele ihr politisches Süppchen aus diesem dunklen Neujahrsbeginn kochen", sagte er in einer Ansprache, die das Kölner Domradio am Sonntag senden will. "Obergrenzenschützer und Populisten nutzen offenbar die Gunst der Stunde", sagt Woelki weiter. Zugleich kritisierte der Erzbischof, dass nun im Internet "üble Hetze und blanker Hass" verbreitet würden.

Bürgerwehr in Düsseldorf


In Düsseldorf hat sich unterdessen eine Art Bürgerwehr gebildet, die in der Stadt für mehr Sicherheit sorgen will. Die Polizei zeigte sich besorgt: "Wir sind für die öffentliche Sicherheit zuständig, nicht die Bürger. Wir haben das im Auge", sagte eine Polizeisprecherin. Der über Facebook organisierten Gruppe sind nach wenigen Tagen bereits mehrere Tausend Menschen beigetreten. (Kommentar, Seite 2 und 4)
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