Chinakritische Tsai Ing-wen gewinnt Wahl in Taiwan
Machtwechsel

Taipeh. Der Machtwechsel in Taiwan hat Spannungen mit China ausgelöst. Nach der Wahl von Tsai Ing-wen zur ersten Präsidentin der demokratischen Inselrepublik warnte die kommunistische Führung am Sonntag vor Unabhängigkeitsbestrebungen, die Peking nicht dulden werde. In ihrer Siegesrede beteuerte die 59-Jährige hingegen, den Status quo wahren zu wollen. Nachdrücklich wies sie "jede Form der Unterdrückung" zurück. "Unser demokratisches System, unsere nationale Identität und unser internationaler Raum müssen respektiert werden."

Mit 56 Prozent der Stimmen hatte die chinakritische Chefin der Fortschrittspartei (DPP), die aus der Unabhängigkeitsbewegung stammt, die Wahl gewonnen. Ihre Fans feiern die als moderat geltende Juraprofessorin als "Asiens Angela Merkel", da ihr die Kanzlerin als Vorbild dient. Ihr Herausforderer Eric Chu von der Kuomintang kam nur auf 31 Prozent. Nach acht Jahren der Annäherung an China verlor die bisherige Regierungspartei erstmals sogar ihre Mehrheit im Parlament.

Die Wahlbeteiligung lag bei 66 Prozent. Taiwan ist seit sechs Jahrzehnten ein Konfliktherd in Asien, da Chinas Kommunisten die Insel nur als abtrünnige Provinz betrachten und mit einer gewaltsamen Rückeroberung drohen. So forderte Peking die neue Präsidentin auch auf, den "Konsens von 1992" anzuerkennen, der die Grundlage für die Kooperation sei. Mit der Formel erkennen beide Seiten an, dass es nur "ein China" gibt, akzeptieren jedoch unterschiedliche Vorstellungen, was darunter verstanden wird.

Abhängigkeit verringern


Tsai Ing-wen versprach, "beständige, berechenbare und nachhaltige" Beziehungen zu China aufbauen zu wollen. "Beide Seiten haben die Verantwortung, gegenseitig akzeptable Wege der Interaktion zu finden, die auf Würde und Gegenseitigkeit basieren", betonte sie. Die neue Präsidentin will die wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern und betont Taiwans Eigenständigkeit. Ein Konflikt würde die Lage in der Region verschärfen, die unter anderem durch Chinas umstrittene Ansprüche auf Inseln angespannt ist. Die USA unterstützen Taiwan mit Waffenlieferungen und lehnen eine gewaltsame Änderung des Status quo ab.
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