CSU, Bürgerliste und Grüne wollen Ideenmanagement: Antrag auf Mitarbeiterbefragungen
1200 Euro für einen Geistesblitz

Symbolbild: dpa

Weiden. (mte) CSU, Bürgerliste und Grüne sorgen sich ums städtische Personal. Deshalb stellten sie einen gemeinsamen Antrag auf regelmäßige Mitarbeiterbefragungen bei der Stadtverwaltung. Wider Erwarten ärgert sich der Rathauschef darüber nicht. Im Gegenteil. OB Kurt Seggewiß sagt, ihn freut's. Die Forderungen gehen ihm gar nicht weit genug.

Das zumindest erklärt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in der Stadtratssitzung - und beantragt seinerseits eine Erweiterung der Forderungen: Neben der Mitarbeiterbefragung "als nur ein Führungsinstrument von dreien" wünscht sich der OB alternierend regelmäßige Kundenbefragungen sowie ein Kundenreaktionsmanagement. Doch alles der Reihe nach.

Beim Antrag von CSU, Bürgerliste und Grüne geht es darum: Mitarbeiter müssen motiviert sein, und das sind sie nur, wenn sie eingebunden werden, finden die drei Fraktionen. Dass es daran hakt, unterstellen die Parteien, da der Krankenstand bei der Verwaltung hoch ist. Um gegenzusteuern, schlagen CSU, Bürgerliste und Grüne regelmäßige Mitarbeiterbefragungen und daraus abgeleitete Maßnahmen sowie ein Ideenmanagement vor.

"Zeit, Gas zu geben"

Ein Ideenmanagement bei der Stadt existiert bereits, erklärt Personaldezernent Reiner Leibl. Es heißt nur anders, nämlich Verbesserungsvorschlagwesen. Danach erhalten Mitarbeiter je nach Qualität ihres Verbesserungsvorschlags bis zu drei Tage Urlaub und/oder Prämien von 50 bis teils über 1000 Euro. Er nennt Beispiele. Demnach gingen 1150 Euro auf das Konto eines städtischen Mitarbeiters, nachdem er die Eigenbewirtschaftung des Parkplatzes am neuen Festplatz vorgeschlagen hatte. 1200 Euro erhielt ein anderer, weil er auf die Idee gekommen war, Grüngut kostenfrei in Biogasanlagen zu entsorgen. Immerhin zwei freie Tage verdiente sich ein weiterer städtischer Bediensteter für die Anregung zur übersichtlicheren Gestaltung der Türbeschilderung.

Karl Bärnklau reicht das nicht. 700 Mitarbeiter beschäftige die Stadt. 10 bis 15 Verbesserungsvorschläge reichen sie pro Jahr ein. Daraus schließt der Grünen-Fraktionsvorsitzende: "Das ist eine schlechte Quote. Die aktive Einbindung ist zu schwach. Es ist Zeit, Gas zu geben, das Potenzial zu schöpfen. Denn in Mitarbeitern schlummern sicher viele gute Ideen."

Viele Verbesserungsvorschläge

"Die Verwaltung arbeitet sehr motiviert und engagiert", stellt Bürgermeister Jens Meyer an diesem Punkt der Diskussion fest. "Wir kriegen viel mehr Anregungen rein", erklärt er. Das Problem: Viele machten Verbesserungsvorschläge "Kraft ihres Amtes". Sprich: Amtsleiter oder Mitarbeiter des Rechnungsprüfungsamtes tun schlicht ihre Pflicht, wenn sie Verbesserungsvorschläge einbringen. Prämien gibt es für sie nicht.

Bleiben die Mitarbeiterbefragungen. Die letzte fand in Zusammenarbeit mit Verdi 2009 statt, erinnert Dagmar Nachtigall (CSU) und fordert einen zweijährigen Turnus: "Wir leben in einer schnelllebigen Zeit mit Strukturänderungen und Wiederbesetzungssperren." Personaldezernent Leibl gibt zu bedenken, dass eine Mitarbeiterbefragung - "soll sie effektiv sein" - auch sehr viel Arbeit bedeutet. Arbeitsgruppen für die ständige Begleitung müssen gegründet, Ziele definiert werden. Die Hauptarbeit folge nach der Befragung, wenn Maßnahmen erarbeitet und zeitlich strukturiert umgesetzt werden. "Das alles kostet Ressourcen. Das muss klar sein." Dennoch stehe die Verwaltung der regelmäßigen Durchführung einer Befragung positiv gegenüber - allerdings in einem vierjährigen Rhythmus.

Den Vorschlag zur Güte unterbreitet Bürgermeister Meyer: Befragung städtischer Mitarbeiter alternierend zu Kundenbefragungen im Drei-Jahres-Rhythmus. Dafür sollen Mittel in den Haushalt eingestellt werden. Das erntet einstimmigen Zuspruch.
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