Daniela Schadt besucht die Ostukraine
Die deutsche First Lady als Unicef-Botschafterin

Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Gauck, Daniela Schadt (links), spielt in Charkiw (Ukraine) in einer Sozialstation mit Kindern. Die Einrichtung ist eine Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Krisenregion. Bild: dpa
 
Die aus der Krisenregion geflohenen Frauen Elina (links) und Elena erzählen in Charkiw (Ukraine) in einer Sozialstation von ihren Erlebnissen. Bild: dpa

Charkiw. (dpa) Daniela Schadt und der kleine Iwan sitzen Rücken an Rücken, hinter ihnen liegt ein Sponge Bob. Die First Lady und der Fünfjährige greifen auf Kommando von Kindergärtnerin Olga bei einem Spiel nach Klötzchen in bestimmten Farben. Die Kinder lernen dabei, dass man sich gut zuhören muss im Leben.

In dem Sozialzentrum in Charkiw im Osten der Ukraine ist das eine ernste Sache. Etwa zwei Stunden entfernt liegt die Front zu einem immer noch sehr bitteren Konflikt. Bisher starben mehr als 9000 Menschen. Iwan kommt aus einer von Hunderttausenden Familien, die vor dem Krieg flohen.

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, ist nicht zum ersten Mal als Unicef-Schirmherrin in einem Krisengebiet unterwegs. 2014 besuchte sie in Jordanien ein Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien.
Jetzt das knietief verschneite Charkiw. Es geht in ein Land, das in den Nachrichten nach hinten gerutscht ist. Die Ukraine ist 2015, das von Bildern aus Syrien und den vielen Flüchtlingen in Deutschland geprägt war, aus dem Blick geraten.

Zur Erinnerung: Ende 2013 protestierten die Ukrainer auf dem Maidan in Kiew für eine Annäherung an die Europäische Union. Als die russlandfreundliche Regierung stürzte, annektierte der russische Präsident Wladimir Putin die ukrainische Halbinsel Krim. Das löste die schlimmste Krise zwischen Ost und West seit dem Ende des Kalten Krieges aus. Im Osten kämpfen prorussische Separatisten gegen die ukrainische Armee.

Für die Menschen wurde es ein Krieg, der offiziell nicht so hieß, aber sich so anfühlt. Eine vereinbarte Waffenruhe ist brüchig. Laut UN gibt es etwa 1,6 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land, darunter etwa 200 000 Kinder. Es ist wie überall auf der Welt: Die Kleinsten trifft es besonders hart. Die Unicef-Kinderschutzbeauftragte Gabrielle Akimova warnt in Charkiw: "Wir dürfen keine verlorene Generation haben."

Wie Nachrichten funktionieren, weiß Daniela Schadt. Die 56-Jährige hat früher als politische Journalistin gearbeitet. Die Ukraine? Man sollte die Augen nicht abwenden von dem, was dort passiere, findet sie. Es sei eine schwierige Situation in einem Land, das ohnehin in einer nicht einfachen Phase der Veränderung sei und in dem unglaublich viele Menschen auf der Flucht seien. "Dazu kommen die ganzen Probleme, die es schon vor dem Konflikt gegeben hat", sagt Schadt. Damit meint sie etwa die hohe HIV-Rate.

Wenn Schadt nicht mit dem Bundespräsidenten reist, ist das Protokoll viel kleiner. Sie fährt wie jedermann mit dem Zug, setzt sich an einen Vierertisch und verteilt Schokoladentäfelchen. Was hat sie in den fast vier Jahren als First Lady überrascht? Dass man in den Abläufen gar nicht so "eingeklemmt" sei, sagt sie. "Man kann einigermaßen normal bleiben bei der ganzen Angelegenheit."
Natürlich unterhält man sich bei Gauck/Schadts daheim über Politik. Die Einflüstererin an seiner Seite, eine graue Eminenz - das sei sie nicht. Selbst wenn sie es versuchen würde, "Joachim Gauck", so nennt sie ihn, würde ihr das nicht abkaufen, sagt Schadt.

"Wir dürfen keine verlorene Generation haben."
Unicef-Kinderschutzbeauftragte Gabrielle Akimova


Sicher wird sie ihm von den Eindrücken aus der Ukraine berichten. Vielleicht von der jungen Architektin Elina (32), die angespannt die Hände knetet, als sie mit Schadt spricht. Sie erzählt, dass ihre Eltern immer noch im gefährlichen Donezk-Gebiet sind, wo sie täglich Waffen hörten. Das Sozialzentrum in Charkiw und die Leute dort sind wichtig für die alleinerziehende Mutter. "Sie haben mir geholfen, nicht in Depressionen zu fallen."

Film der Kinder



Vielleicht wird Schadt auch Eindrücke von den Filmen mitnehmen, die Kinder über den Krieg gedreht haben. Jaroslaw spielt darin einen Chemiker und zündelt bei einem Experiment, bei dem er geschickt die Flammen ausmacht. Seine Botschaft: "Mach nie ein Feuer, wenn du nicht weißt, wie man es löscht."

Links zum Thema:

UNHCR zu Ukraine
Unicef zu Ukraine
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