Das Magazin "Charlie Hebdo" und sein Verhältnis zur Religion
Blasphemischer Bleistift

Die neueste Ausgabe der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo". Immer wieder wurden Religionen zum Ziel des Spotts. Bild: AFP
Islam, Christentum, Judentum: Keine Religion ist sicher vor dem französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo". Religiöse Satire ist ein fester Bestandteil - so lautet das Credo der 1992 gegründeten Zeitschrift mit einer Auflage von rund 140 000 Exemplaren.

Spätestens seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen im Jahr 2006 stand jedoch besonders die Islam-Kritik im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Die Zeichnungen zeigten Mohammed unter anderem mit einem Turban in Form einer Bombe mit brennender Zündschnur. Deftige Zeichnungen und Obszönitäten auf der einen, Drohungen und zuletzt auch Gewalt auf der anderen Seite sorgten immer wieder für öffentliche Aufschreie. Mit dem Anschlag auf die Redaktion des Satireblatts ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Doch auch mit anderen Religionen geht das Magazin keineswegs zimperlich um. Wegen Kritik an Papst und Christentum stand die Zeitung 2009 vor Gericht. Ihr wurde vorgeworfen, in einem Beitrag die Jesus-Äußerung "Lasset die Kinder zu mir kommen" in einen pädophil-pornografischen Kontext gerückt zu haben. Das Konklave zur Papstwahl 2013 karikierte "Charlie Hebdo" als Schwulentreffen. Um angeblich antisemitische Äußerungen des Karikaturisten Sine ging es 2011, als dieser sich zur geplanten Hochzeit von Jean Sarkozy, Sohn des ehemaligen französischen Staatspräsidenten, mit Jessica Sebaou, der jüdischen Erbin der Kaufhauskette Darty, äußerte.

Dass der blasphemische Bleistiftstrich des Magazins nicht weicher geworden ist, zeigt ein Blick auf seine Facebook-Seite. "Scheiße" brüllt dort dem Betrachter ein hässliches Jesuskind zu Weihnachten aus der Krippe entgegen. Und zum neuen Jahr übermittelt ein karikierter Abu Bakr al-Baghdadi, Anführer der Terrororganisation Islamischer Staat, beste Wünsche und "... vor allem Gesundheit".
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