Das Polizei-Trio in Elmau

Stolzes Dienstfahrzeug: Polizei-Hauptkommissar Werner Stopfer in Elmau vor dem Hubschrauber des Secret Service, Begleitschutz des US-Präsidenten Barack Obama. Bild: privat/jrh

Er war schon bei Einsätzen in der Hamburger Hafenstraße dabei, bei Protesten gegen den IWF in Berlin, beim Papstbesuch in Regensburg. "Aber das ist das Highlight schlechthin", sagt Werner Stopfer, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach.

Der Polizeihauptkommissar betreute im Briefingzentrum, Luftlinie 150 Meter zum Schloss Elmau, ausgewählte Journalisten. "Michael Rebele und ich waren Bindeglied zwischen Bundespresseamt und Polizei", sagt Stopfer, "bei Fragen zum Polizeieinsatz."

So nah war der Polizeisprecher den Mächtigen der Welt noch nie: "Ich habe die Bundeskanzlerin gesehen", zeigt er seine Schnappschüsse am Handy, "Obama, EU-Kommissionspräsident Juncker und Italiens Ministerpräsident Renzi." Für einen Polizisten noch beeindruckender: "Ich habe mich mit einem Hubschrauberpiloten von US-Präsident Obamas Begleitkommando unterhalten", freut sich Stopfer, "ich durfte mich sogar ins Cockpit setzen". Und das Beste für den Oberpfälzer: "Es lief alles weitgehend reibungslos." Auch Dank der ausgefeilten Planungen im Vorfeld: "Kompliment an die Logistiker", lobt er Kost und Logis in seiner Ferienwohnung. "17 000 Leute in Hotels und Pensionen unterzubringen, ist nicht ganz ohne."

Norbert Kellner, der Planer

Einer, der seit Oktober 2014 den Ablauf der Mammutveranstaltung auf eigenen Wunsch mitplanen durfte, ist Norbert Kellner, stellvertretender Dienststellenleiter der PI Vohenstrauß. "Mich hat die Aufgabe gereizt", sagt der Hauptkommissar, der dafür Einbußen beim Privatleben gerne in Kauf nahm: "Unter der Woche war ich in München, am Wochenende zu Hause." Untergebracht waren die auswärtigen Beamten bei der Bereitschaftspolizei in Dachau.

Kellners Aufgabe: "Ich habe im Vierer-Team eine Stabsrahmenübung mit mehreren 100 Kollegen ausgearbeitet." Verschiedene Szenarien wurden geprobt: Wie soll man in welcher Lage reagieren, wen informieren? "Für mich war das Neuland", gibt der Oberpfälzer zu. Andere hatten solche Probeläufe bereits durchgespielt. In der heißen Phase am Gipfelwochenende war der Vohenstraußer für den Verkehr zuständig - etwa für Umleitungen bei Straßensperrungen oder einen Shuttlebus für Kollegen, damit nicht alle mit eigenen Fahrzeugen ins schwere Gelände kommen mussten: "Alles ist im Prinzip reibungslos abgelaufen." Einzig das Unwetter stellte die Polizisten vor eine kleine Herausforderung: "Aber wir waren vorbereitet und konnten die Wege schnell wieder befahrbar machen."

Einen wenig komfortablen Job hatte dagegen Polizeihauptmeister Muhammet Dal: "Ich war im Sicherheitsring 2 im alpinen Waldbereich eingesetzt", erzählt der Kemnather, "um zu verhindern, dass Unbefugte reinkommen." Zwar habe es einige Sitzmöglichkeiten gegeben, "aber größtenteils waren das Standposten". Mit anderen Worten: Beine in den Bauch stehen und das auch noch in Nachtschichten im finsteren Alpenwald. Der Fußballer nimmt's gelassen. Ärger habe es nur einmal gegeben, als ein Mann in die Zone vordringen wollte und in Gewahrsam genommen wurde.

Kontakt mit der "anderen Seite", den Globalisierungsgegnern und der Bevölkerung vor Ort hatte nur Pressekontaktmann Stopfer. Und der ist von der guten Stimmung noch immer angetan: "Mich hat gefreut, wie die Einheimischen uns und die Demonstranten gleichermaßen freundlich begrüßten - mit einen Transparent ,Danke Polizei, danke friedliche Demonstranten!'" Mit zur entspannten Atmosphäre hätten gerade auch ältere Demonstranten beigetragen, die versuchten, auf junge Heißsporne beruhigend einzuwirken.

"Es gab eigentlich nur bei der Demo am Samstag kleinere Zwischenfälle, als Holzstäbe und Feuerlöscher gegen unsere Kollegen eingesetzt und Bengalos gezündet wurden - aber wir hatten das im Griff." Woran's nun genau gelegen hat, dass die Proteste weit weniger eskalierten als etwa bei der Eröffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt, könne er nur schwer einschätzen - am Großaufgebot der Polizei, am schweißtreibenden Wetter, am Platzregen zwischendrin? "Man hat viel Wert auf Kontakt gelegt", hält Stopfer die Strategie, den Schulterschluss zwischen den eigenen Kommunikationsteams und den Verantwortlichen im Camp zu üben, für einen wichtigen Baustein. "Wir blieben im Gespräch und verteilten Wasser, als es heiß war." Also stimmt das von einigen Protestteilnehmern, teils erstaunt, teils verärgert verliehene Prädikat der "Kuschel-Bullen"? Die Polizisten grinsen. "Einige von uns hatten schon ihren Spaß", erinnert Stopfer an die Clown-Aktion, als verkleidete Demonstranten einige Kollegen neckten.

Gründe fürs Großaufgebot

War angesichts lachender Gesichter dieses Großaufgebot wirklich nötig? "Ich kann das nicht beurteilen", sagt der Pressesprecher. "Aber man muss berücksichtigen, dass nicht alle 17 000 ständig im Einsatz waren, sondern sich in Schichten abwechselten." Außerdem hätte man unter Umständen die 140-Kilometer lange Strecke vom Flughafen München nach Elmau sichern müssen, wenn Flüge ausgefallen wären.

Dass, wie kolportiert, der nur im städtischen "Guerillakampf" erprobte "Schwarze Block" an den alpinen Bedingungen mit Blick auf die Zugspitze gescheitert sein könnte, hält Werner Stopfer für unwahrscheinlich: "Die Proteste waren ja vor allem in Garmisch und da ist's brettleben."
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