Das Verhältnis zwischen Tschechiens Präsident Zeman und Premier Sobotka ist zerrüttet
Zwei wie Hund und Katz

Im Januar 2014 wurde Bohuslav Sobotka (links) zum tschechischen Regierungschef ernannt. Damals prostete ihm Präsident Milos Zeman auf der Prager Burg noch zu. Inzwischen sind Präsident und Premier, obwohl beide von der sozialdemokratischen Partei, heillos zerstritten. Bild: dpa

Tschechiens Präsident Zeman hatte schon mal verbal die Kalaschnikow im Anschlag. Ein Ausrutscher? Nein. Das Verhältnis zwischen Präsident und Premier in Prag ist zerrüttet.

Prag. Im vergangenen Oktober standen auf dem New Yorker Flughafen JFK gleich zwei tschechische Regierungsmaschinen. Mit der einen war Präsident Milos Zeman zur UN-Vollversammlung gekommen. Mit der anderen Premier Bohuslav Sobotka auf Einladung von US-Vizepräsident Joe Biden.

Zeman gilt für Biden oder gar für Präsident Obama wegen seiner ideologischen Nähe zu Russland als "VIP PNG", wie es die frühere US-Außenministerin mit Prager Kindheitswurzeln, Madeleine Albright, formulierte: Als VIP-persona non grata, übersetzt: "hochgestellte unerwünschte Person". Er wartet seit drei Jahren vergeblich auf einen Termin im Weißen Haus. Wie übrigens auch Zemans Vorgänger Václav Klaus dort binnen zehn Jahren Präsidentschaft nicht einmal empfangen wurde.

Ein Un-Verhältnis


Diese Geschichte zeugt nicht nur von der Verschwendung erheblicher Steuergelder. Sie illustriert vor allem perfekt das Verhältnis der beiden wichtigsten tschechischen Politiker zueinander. Es existiert praktisch nicht, obwohl sie beide Sozialdemokraten sind. Daran änderte auch das Treffen beider mit ihren Ehefrauen traditionell zu Beginn des neuen Jahres auf Zemans Landsitz Lány bei Tatar vom Lachs, Damwild in Sahnesoße und einem Zitronensorbet nichts.

Es dauerte keinen Monat, bis Zeman zu Beginn dieser Woche seinen zweifelhaften Witz machte. Bei einem Forum mit Bürgern in Südmähren antwortete er auf die Frage einer Sobotka-Widersacherin aus dem Publikum, wie man den Premier loswerden könne: Demokratisch über Wahlen. "Und dann gibt es noch eine undemokratische Variante - die heißt Kalaschnikow." Zeman hat die sofort einsetzende Kritik an diesem einen seiner zahllosen "Bonmots" als "völlig übertrieben" zurückgewiesen. Diese Varianten würden für alle Spitzenpolitiker gelten, auch für ihn. Das hätten die unfähigen Journalisten nur wieder nicht begriffen. Und natürlich sei er ausschließlich für die demokratische Variante. Sobotka sah das anders und er war nicht allein mit seiner Entrüstung.

Das Hauen und Stechen zwischen beiden hat eine Ursache, die mehr als 13 Jahre zurückliegt. Seinerzeit bewarb sich Zeman schon einmal um die Präsidentschaft, wollte Nachfolger von Václav Havel werden. Doch seine eigenen Sozialdemokraten - mit Sobotka - verweigerten ihm die Stimmen. Präsident wurde Klaus. Zeman verließ mit lautem Türknallen den Tagungssaal auf der Prager Burg und zog sich eingeschnappt aus der Politik zurück.

Zehn Jahre lang lebte er in der Abgeschiedenheit der Böhmisch-Mährischen Höhe. Vor fast genau drei Jahren klappte es dann: Über die erste Direktwahl eines tschechischen Staatschefs und den Triumph über den einstigen Havel-Vertrauten und Außenminister Karel Schwarzenberg zog Zeman auf der Prager Burg ein. Monate später gewannen die Sozialdemokraten unter Sobotka dann zwar die regulären Parlamentswahlen, aber mit einem schwachen Ergebnis.

Bruch am 17. November


Zeman schien sich irgendwann mit Sobotka abgefunden zu haben. Bis zur Flüchtlingskrise. Zeman nutzte jede Gelegenheit, die Flüchtlinge als in Tschechien "nicht willkommen" zu heißen. Als er am 17. November gemeinsam auf einer Bühne mit tschechischen Hetzern vom Schlage Pegidas redete, war das Maß für Sobotka voll: "Der höchste Mann eines Staates mit tiefen humanistischen und demokratischen Traditionen hat nicht auf der Versammlung einer fremdenfeindlichen Sekte aufzutreten", befand er. Seither hat Zeman die Kalaschnikow gegen den Premier verbal im Anschlag.
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