Der "Brexit"-Wahltag in Großbritannien
Gespalten bis zuletzt

Bis Donnerstagabend hatten die Briten Zeit, in einer Abstimmung sich für oder gegen die EU zu entscheiden. Hier eine Gruppe von Weltkriegsveteranen der "Chelsea Pensioners" vor der Stimmabgabe in London. Bild: dpa

Mehr als 46 Millionen Briten sind am Donnerstag aufgerufen, über einen EU-Austritt ihres Landes abzustimmen. In or out? Drinbleiben oder rausgehen? In dieser Frage ist die Gesellschaft bis zum Wahltag tief gespalten.

London. Der Tag, an dem über die Zukunft Großbritanniens in der EU entschieden werden soll, beginnt ziemlich regnerisch. Als am Donnerstag in London die Wahllokale öffnen, gießt es in Strömen.

Eigentlich ein schlechtes Zeichen für die EU-Befürworter - ihre Anhänger sind nach Einschätzung von Experten schwerer zu mobilisieren als die Brexit-Befürworter. Doch es gibt auch Hoffnung, die Märkte zumindest scheinen an einen Verbleib des Landes in der EU zu glauben. Das britische Pfund startet mit einem Plus in den Tag.

Beide Seiten mit Zuversicht


Insgesamt sind mehr als 46 Millionen registrierte Wähler zu den Urnen gerufen. Sie sollen eine historische Entscheidung treffen, die das Land und die ganze Europäische Union in eine tiefe Krise stürzen könnte. In or out? Drinbleiben oder rausgehen? Das ist die Frage. Viele glauben an diesem Donnerstag, dass es ein knappes Ergebnis wird. Der 22-jährige Ian ist auf seinem Weg zum Pendlerzug noch schnell ins Wahllokal gehuscht. Der Werbefachmann wohnt in einem ehemaligen Arbeiterviertel im Südosten der Stadt mit vielen kleinen Reihenhäuschen aus Backstein. "Ich habe für den Verbleib in der EU gestimmt, und ich glaube, dass wir mit einer knappen Mehrheit gewinnen werden", sagt er. Was ihn so optimistisch macht? "Die jungen Leute sind überwiegend für die EU-Mitgliedschaft." Sie werden dieses Mal zur Wahl gehen, trotz Regen, da ist er sich sicher. "Es steht einfach zu viel auf dem Spiel", sagt er.

Ähnlich optimistisch sind Robin und Rose Bambrough - allerdings genau für die andere Seite. Die beiden Rentner haben für einen Austritt aus der EU gestimmt. Vor allem wegen der Einwanderer. "Es sind einfach zu viele", sagt der 75-jährige Robin Bambrough. Das Stadtviertel habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Nachteil verändert.

"Jetzt erst recht"


"Schauen Sie doch nur, wie es hier aussieht", sagt Robin Bambrough und zeigt auf Plastiktüten und anderen Müll, der über die Straße verteilt ist. Verantwortlich seien dafür vor allem Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien, glaubt er. Erst recht wütend hat die beiden die Warnung von Premierminister Cameron und Finanzminister George Osborne gemacht, im Falle eines Brexits könnten die Renten gekürzt werden. "Da haben viele gesagt: jetzt erst recht", meint die 74-jährige Rose Bambrough.

Die britische Gesellschaft zeigt sich auch am Wahltag selbst tief gespalten. Dass sich das am Tag nach dem Referendum ändern wird, scheint zweifelhaft.
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