Der Bundesparteitag der AfD verspricht spannend zu werden: Für die Partei geht es in Bremen ums ...
Zwischen Demonstranten und Querulanten

AfD-Mitbegründer Bernd Lucke steht ein turbulentes Wochenende bevor. Beim Bundesparteitag in Bremen dürfte es heftige Debatten geben - auch um ihn. Bild: dpa
Bei der AfD wird gerne kontrovers diskutiert und gestritten - auch im Vorstand. Für einige Führungsmitglieder der jungen Partei macht gerade das den "Charme" der AfD aus. Parteigründer Bernd Lucke sieht das nicht immer so. Der ordnungsliebende Protestant wäre manchmal froh, wenn das Wut-und-Chaos-Level in seiner Partei etwas niedriger wäre. Beim AfD-Bundesparteitag, der heute Abend in Bremen beginnt, wird sich zeigen, welcher Flügel sich durchsetzt: die diskutierwütigen Basisdemokraten oder diejenigen, die aus der AfD eine "normale Partei" machen wollen.

Allerdings sprechen schon die Begleitumstände dafür, dass es bei diesem Parteitag alles andere als ruhig zugehen wird. Am Samstag wollen Gewerkschafter und linke Gruppen in Hörweite des Parteitags gegen Pegida und die AfD demonstrieren. Vor allem am Samstag, wenn über die neue Satzung abgestimmt werden soll, könnte es spannend werden. Zwar geht die Parteispitze davon aus, dass die Mehrheit ihrem Kompromiss zur neuen Führungsstruktur zustimmen wird. Einige Parteimitglieder, die sich zuletzt über Luckes "undemokratischen Führungsstil" ereifert hatten, werden aber sicher trotzdem versuchen, eine Protestfront zu bilden.

Doppelspitze ab April

Hintergrund des Führungsstreits ist der Versuch Luckes, sich im kommenden April zum alleinigen Parteivorsitzenden wählen zu lassen. Vor allem die Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam sowie der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland wollten das unbedingt verhindern.

Ihr vor einigen Tagen in Berlin besiegelter Kompromiss sieht nun vor, dass die Partei ab April und bis nach dem Programmparteitag im Herbst von zwei Vorsitzenden geführt wird. Nach der Verabschiedung des Parteiprogramms bleibt dann nur noch ein Vorsitzender übrig - wahrscheinlich Lucke. So richtig glücklich ist vor allem Gauland nicht mit diesem Kompromiss. Doch allen Beteiligten war klar, dass die Chancen der AfD, in Hamburg im Februar erstmals in ein westliches Landesparlament einzuziehen, durch die Querelen erheblich geschmälert wurden.

Heftige Auseinandersetzungen gab es in der AfD zuletzt auch um das Themenfeld "Zuwanderung, Flüchtlinge und Pegida". Dieses Thema steht in Bremen zwar offiziell nicht auf der Tagesordnung. Dennoch ist zu erwarten, dass die rund 2000 Parteitagsteilnehmer auch darüber diskutieren werden. Schließlich hatten sich kürzlich aus Protest gegen rechtspopulistische Äußerungen zur Zuwanderung aus den Reihen der AfD mehrere liberale Mitglieder aus der Partei verabschiedet.

Öffentlicher Konter

Zwei Tage vor Beginn des Parteitages sorgte Gauland erneut für Aufregung, als er in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" einen Zuwanderungsstopp für Muslime aus dem Nahen Osten forderte. Kaum war das Interview veröffentlicht, fuhr Lucke Gauland in die Parade. Lucke stellte fest: "Die AfD lehnt es entschieden ab, die Einwanderung aufgrund von Religion oder Herkunft der Zuwanderer zu regeln." Mit anderen Worten: Dass die AfD in Bremen einen Parteitag voller Harmonie erleben wird, ist eher nicht zu erwarten.
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