Der einstige Frontmann der Linken schwänzt Sahra Wagenknechts Premiere
Gysi meidet die Hinterbank

Gregor Gysi, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke, bei einer Verabschiedungsfeier im Bundestag. Bild: dpa
Mit seiner neuen Rolle als Hinterbänkler im Bundestag kann sich Gregor Gysi noch nicht so richtig anfreunden. Kaum hat der 67-Jährige keinen Platz mehr in der ersten Reihe, schwänzt er eine wichtige Sitzung des Bundestags. Bei der ersten Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach seinem Abgang als Fraktionsvorsitzender fehlte Gysi am Donnerstag. Bisher waren das Pflichttermine für ihn als Oppositionsführer.

Und es waren die Momente, die er als Politiker am meisten genossen hat. "Mir wird nur eins fehlen: der Kanzlerin gelegentlich auf ihre Regierungserklärungen antworten zu können", hatte er kurz vor seinem Abgang gesagt. Wie sich seine Nachfolgerin Sahra Wagenknecht als Oppositionsführerin schlägt, wollte sich Gysi nicht anschauen. Stattdessen flog er zur Buchmesse nach Frankfurt.

Kleine Party unter Kuppel

Am Vorabend war er auf der Fraktionsebene des Bundestags unter der Glaskuppel des Reichstagsgebäudes mit einer kleinen Party verabschiedet worden. Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte die zahlreichen Rekorde, die der gebürtige Berliner gebrochen hat. 413 Reden hat er in den vergangenen 25 Jahren im Bundestag gehalten. 20 Jahre führte er eine Fraktion oder Gruppe im Bundestag.

Außerdem hat es noch nie jemand geschafft, Chef so vieler Parteien und Fraktionen zu sein: SED, SED/PDS, PDS, Linkspartei.PDS, Linkspartei und schließlich die gesamtdeutsche Linke - alles das selbe, aber immer wieder mit neuen Namen.

Für Gysi war es nicht der erste Abschied als Fraktionschef. Vor 15 Jahren legte er dieses Amt schon einmal nieder. Damals hielt FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle die Laudatio. Dass ihn diesmal mit Lammert der formal zweite Mann im Staat würdigte, zeigt, dass er maßgeblich dazu beigetragen hat, seine Partei links von der SPD fest im Parteiensystem zu etablieren.

Ein anderer prominenter Linker fehlte bei seinem Abschied. Oskar Lafontaine tauchte nur auf Bildern auf, die an die Wand projiziert wurden. Die beiden haben sich in einem erbitterten Machtkampf vor drei Jahren überworfen. Irreparabel, heißt es.

Ziel: Alterspräsident

Dem Bundestag bleibt Gysi erhalten - als stellvertretendes Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Ob er bei der nächsten Wahl 2017 noch einmal antritt, will er erst im nächsten Jahr entscheiden.

Schon jetzt kokettiert er damit, dass er gerne Alterspräsident des Parlaments werden würde. Denn der dürfe die Wahlperiode ohne Begrenzung der Redezeit eröffnen.
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