Der Frieden steht im Feuer

Junge Ukrainer in militärischer Tarnkleidung erinnern in Kiew mit einem Fackelzug an den Tod von 300 ukrainischen Studenten im Kampf gegen die Rote Armee am 29. Janaur 1918. Die sogenannte Schlacht von Kruty ist heute als Symbol des ukrainischen Strebens nach Unabhängigkeit bedeutsamer denn je. Bild: dpa

Krieg statt Frieden: Zwar reisen die prorussischen Separatisten zu einem Krisen-Treffen nach Minsk, doch die ukrainische Seite bleibt fern. Der prowestliche Präsident Poroschenko bewaffnet stattdessen immer mehr seiner Landsleute.

Die Signale sind an diesem Tag eines neuen Blutvergießens mit vielen Toten im Kriegsgebiet Donbass alles andere als friedlich. Es gibt zwar einen neuen Anlauf für Krisengespräche der Konfliktparteien. Schon früh am Freitagmorgen treffen dazu prorussische Separatisten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ein. Sie wollen über eine Waffenruhe und einen Abzug schwerer Militärtechnik verhandeln - es ist nicht das erste Mal. Doch die prowestliche Führung in Kiew bleibt dem Treffen fern, weil sie sich andere Vertreter der Aufständischen wünscht, wie es offiziell heißt.

Der von der EU und den USA unterstützte ukrainische Präsident Petro Poroschenko schickt erneut andere Botschaften: Als viele noch auf den Beginn der Friedensgespräche in Minsk warten, präsentiert sich der Staatschef als Fahrer des ersten Exemplars des neuen Schützenpanzerwagens "Dosor-B" des Rüstungskonzerns Ukroboronprom.

Blutige Grausamkeiten

Statt Hoffnung spendender Fotos von Friedensgesprächen kommen auch aus dem Kriegsgebiet Donezk einmal mehr Bilder blutiger Grausamkeiten: Leichenteile liegen auf einer Straße, wie das russische Staatsfernsehen zeigt. Artilleriegeschütze hätten in eine Menge wartende Menschen gefeuert, die Hilfsgüter in Empfang nehmen wollen, heißt es in den Berichten. An diesem Blutbad und für die vielen weiteren Toten an diesem Tag geben sich einmal mehr Separatisten und Regierungstruppen gegenseitig die Schuld.

Darüber, ob die Konfliktparteien überhaupt noch Interesse an Friedensgesprächen unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben, streiten die Experten. Seit dem Scheitern der jüngsten Waffenruhe sind die Aufständischen wieder in der Offensive. Und auch in der ukrainischen Führung werden Rufe lauter, die abtrünnige Region Donbass mit Militärgewalt wieder unter ukrainische Kontrolle zu bringen.

Dabei klagen viele Militärangehörige seit langem über ausstehenden Wehrsold, Mangel an Essen und Ausrüstung. Die ukrainische Regierung sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die auf das Einkommen aller Bürger erhobene Kriegssteuer nicht an das Militär weiterzuleiten. Und nicht zuletzt soll eine beispiellose Teilmobilmachung das Militär in der Ex-Sowjetrepublik stärken. Mehr als 100 000 Ukrainer sollen bis zum Sommer zusätzlich bewaffnet werden.

Kremlchef Wladimir Putin rief die ukrainischen Brüder ganz offen zur Flucht auf. "Viele Leute drücken sich vor der Mobilmachung, sie versuchen, zu uns zu kommen ... Und das machen sie richtig, weil sie sonst einfach nur Kanonenfutter sind", sagte Putin. Und er ließ gleich einmal die zulässige Aufenthaltsdauer für Ukrainer verlängern.

Menschenmassen flüchten

Die Nachrichten von der Front werden immer beunruhigender. Unbestätigten Berichten zufolge droht mehreren tausend Soldaten beim Verkehrsknotenpunkt Debalzewo eine Einkreisung durch die Separatisten. Viele Ortschaften im Donbass sind umkämpft. Mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht. Gleichwohl beteuert Poroschenko beim Werben um dringend nötige Milliardenhilfen im Westen weiter, dass er für eine friedliche Lösung der Krise eintrete. Nicht nur einmal warf Moskau der Führung in Kiew vor, auch mit den Hilfsgeldern etwa des Internationalen Währungsfonds den Krieg im Donbass zu finanzieren.
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