Der langjährige Mainzer Bischof Kardinal Lehmann geht mit 80 Jahren in den Ruhestand
Brückenbauer, Buchautor, Fußballfan

Kardinal Karl Lehmann ist Anhänger des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Immer wieder war im Stadion dabei, so auch 2011 bei der Eröffnungsfeier der neuen Coface Arena in Mainz. Archivbild: dpa

Mainz. Einer der prominentesten deutschen Katholiken tritt von der Bühne ab. Damit endet eine Ära: Seit 33 Jahren ist der Mainzer Kardinal Karl Lehmann Bischof - und seit 53 Jahren Priester. Am Pfingstmontag feiert er seinen 80. Geburtstag. Dann wird sein Ruhestand erwartet. Der beliebte Oberhirte mit dem dröhnenden Lachen genießt als Theologe, Buchautor und früherer langjähriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz weltweit Ansehen. Bis zuletzt hat er immer wieder Debatten der Öffentlichkeit mitgeprägt.

So bezeichnete Lehmann 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die ungelöste Frage der Entsorgung von Atommüll als "schwierigstes Übel" der Nukleartechnik: "Die folgenden Generationen werden noch lange geängstigt sein von den nicht gebannten Gefahren." Im April hielt der Oberhirte, dessen Diözese zu einem Drittel in Rheinland-Pfalz und zwei Dritteln in Hessen liegt, einen Vortrag über "Alter in Würde". Junge Menschen leben demnach mehr "nach vorne". Mit Blick auf seine Generation betonte der 79-Jährige: "Das Wissen darum, dass der Lebensbogen zu Ende geht, macht die Dinge und das Leben jedoch dichter und ernster, kostbarer und wertvoller."

Der Papst, der alte Verkrustungen in der 2000-jährigen katholischen Kirche aufbricht, dürfte Lehmann zupass kommen. Der Bischof gilt als liberaler Brückenbauer, der nach dem Amtsantritt des Pontifex urteilte: "Franziskus hat einen wirklich kräftigen Start hingelegt."

Bereitschaft zum Dialog


Zu Zeiten früherer Päpste hat sich Lehmann mit seiner Bereitschaft zum Dialog im Vatikan indes nicht nur Freunde gemacht, zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken.

Immer wieder geriet der Kardinal in die Schlagzeilen - etwa, wenn er über verheiratete Priester sinnierte: "Und wenn ich zum Beispiel manchen verheirateten Diakon erlebe, da gibt es ganz hervorragende Leute, da kann ich mir vorstellen, dass so jemand in einigen Jahren durchaus die Priesterweihe erhalten kann." Auch im Finanzskandal um den einstigen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bezog Lehmann klar Stellung. Vor zwei Jahren verlor der benachbarte Oberhirte sein Amt - nun sucht auch das Bistum Limburg einen neuen Bischof.

Seit 2001 Kardinal


Geboren wurde Lehmann am 16. Mai 1936 als Sohn eines Dorfschullehrers im schwäbischen Sigmaringen. Er entschied sich ein halbes Jahr vor dem Abitur für den Priesterberuf. Von 1956 bis 1964 studierte er Theologie und Philosophie in Freiburg und Rom. Als er 1983 vom Mainzer Domkapitel zum Oberhirten gewählt wurde, war er Theologie-Professor in Freiburg. Bei seiner Ernennung zum Kardinal durch Papst Johannes Paul II. 2001 läuteten die Glocken des tausendjährigen Mainzer Doms eine Viertelstunde lang. Lehmann ist erst der fünfte Purpurträger auf diesem Bischofsstuhl. Seinen Kardinalstitel behält der Fan von Fußball-Bundesligist Mainz 05 sein ganzes Leben lang.

Luther-MedailleDie Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) würdigt den Einsatz des scheidenden Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann für die Ökumene mit einer ganz besonderen Auszeichnung. Lehmann erhalte die Martin-Luther-Medaille "für einzigartige Verdienste um die Ökumene", teilte die EKD am Freitag mit. Er sei der erste katholische Träger des evangelischen Preises. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm erklärte, Kardinal Lehmann habe sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) auf vielfältige Weise für die Verständigung und Annäherung der beiden Kirchen eingesetzt. Die Auszeichnung soll auch ein Signal für das Reformationsjahr 2017 sein - dann feiert die Evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. (dpa)
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