Der Renten-Versicherer

Klein, vital, fröhlich und mit Biss. Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) feiert heute seinen 80. Geburtstag. Die Deutschen erinnern sich vor allem an einen Satz von ihm: "Die Renten sind sischer." Bild: dpa
 
Der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm greift am 21. April 1986 auf dem Bonner Marktplatz zum Leimpinsel, um das erste Plakat einer Informationsaktion zur Sicherheit der Renten auf eine Litfaßsäule zu kleben. Der Text des Plakates lautet: "... denn eins ist sicher: Die Rente." Die Aussage haftet Norbert Blüm bis heute an. Archivbild: dpa

Er ist einer der prominentesten Politikrentner der Republik. Norbert Blüm ist eine Marke, die auch für Kabarett taugt. Sein Ausspruch "Die Rente ist sicher" ist fest mit ihm verbunden. Heute wird der Bonner Blüm 80 Jahre alt.

Er will immer noch etwas bewegen. Obwohl Norbert Blüm sich 2002 aus dem Bundestag verabschiedete, mischt er sich weiter ein. Gerade erst hat er sich für die WDR-Dokumentation "Im Auftrag meiner Enkel" auf Entdeckungsreise quer durch die Republik gemacht, um Antworten für die Zukunft zu finden. Zuvor war er Ende April mit einem Reporter nach Katar gereist, um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter bei den WM-Fußballstadien anzuprangern. Heute wird der in Bonn lebende CDU-Politiker 80 Jahre alt.

Ein "Herz-Jesu-Sozialist"

Blüm, der als soziales Gewissen der Union und als "Herz-Jesu-Sozialist" galt, wandte sich zuletzt auch gegen die Aushöhlung der Familie und eine Sozialpolitik, die den Solidaritätsgedanken verabschiedet. Die Kindheit werde immer mehr verstaatlicht, weil die Mütter an der Arbeitsfront gebraucht würden. In seiner 2014 erschienenen Streitschrift "Einspruch" warf er Juristen und Gesetzgeber vor, die klassische Ehe und Familie niederzuwalzen. Das reformierte Scheidungsrecht lasse geschiedene Frauen und deren Kinder als Opfer zurück. Besonders ärgerte es ihn, dass seine Partei es war, die die gesetzliche Grundlage dafür schuf: "Die CDU trägt die Hauptverantwortung an der Entkernung von Ehe und Familie."

Ätzende Kritik hat Blüm auch an Wirtschaft und Wissenschaft geübt. Während der Finanzkrise verglich er Analysten, Ratingagenturen und Wirtschaftsprofessoren mit dem Kaiser, der keine Kleider anhat. "Nie hat sich eine Zunft, die das Etikett Wissenschaft in Anspruch nimmt, mehr blamiert als die der Ökonomen", blaffte er.

Blüm selber wird vorgehalten, dass er Märchen erzählt hat. "Die Rente ist sicher", diesen Satz von 1986 wird er nicht los. Doch der Sozialpolitiker dachte gar nicht daran, sich dafür zu entschuldigen. "Ein Rentensystem, das auf Arbeit aufbaut, bietet mehr Sicherheit als eines, das kapitalgedeckt ist und uns als goldene Zukunft gepriesen wurde", argumentierte er mit Blick auf die Finanzkrise.

Nicht, dass der Polit-Oldie noch großen Einfluss gehabt hätte: Auf dem CDU-Parteitag 2003 in Düsseldorf wurde er ausgepfiffen. Zu sehr stand er nach Meinung vieler für eine Sozialpolitik, die auf Globalisierung, Alterung der Gesellschaft und den Ruf nach Generationengerechtigkeit keine Antwort fand. Und doch merkten viele, dass Blüm für ein Wertesystem stand, das über den Tag hinausging. Dabei konnte der gebürtige Rüsselsheimer aus ganz unterschiedlichen Erfahrungswelten schöpfen: In den 1960er Jahren studierte der gelernte Werkzeugmacher Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie - unter anderem bei Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. In dessen Vorlesung lernte er seine spätere Frau Marita kennen, mit der er drei Kinder hat.

30 Jahre lang war Blüm im Bundestag, 16 Jahre lang Arbeits- und Sozialminister in der Regierung Kohl - umso härter der Bruch mit dem Altkanzler im Rahmen der CDU-Spendenaffäre. Als Minister hat Blüm eine Gesundheitsreform und zwei große Rentenreformen durchgesetzt. Am meisten aber verbindet sich wohl die Einführung der Pflegeversicherung 1995 mit seinem Namen.

Kabarett mit Peter Sodann

Dass es auch ein Leben neben der Politik gibt, darauf hat er schon früh bestanden: "Politiker, die mit Politik aufstehen, das Mittagessen als Arbeitsessen organisieren und nachts politisch träumen, halte ich für gefährlich." Nach dem Rückzug aus der Politik trat Blüm auch in volkstümlichen TV-Sendungen und bei Karnevalsveranstaltungen auf. Fünf Jahre war er Mitglied des Rateteams von "Was bin ich?". Ab 2007 ging er mit dem "Tatort"-Kommissar Peter Sodann auf Kabarett-Tournee.

Geprägt war Blüm von der katholischen Soziallehre Oswald von Nell-Breunings. 2010 übernahm er eine Professur am Lehrstuhl für Systematische Theologie der RWTH Aachen. In seiner Vorlesung dozierte er über eine "große Idee im Tiefschlaf: die Christliche Soziallehre".
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