Der Vorsprung schmilzt
Clinton im E-Mail-Sumpf: Donald Trump holt auf

Sehr zum Leidwesen von Hillary Clinton nehmen die Skandal-Nachrichten um E-Mails kein Ende. Donald Trump holt wieder auf. Erstmals seit Mai liegt der Republikaner in einer Umfrage sogar vor Clinton.

Washington. Mehrere Affären um E-Mails bringen Hillary Clinton und die US-Demokraten wenige Tage vor der Präsidentenwahl noch einmal in die Defensive. Während eine Untersuchung neu entdeckter Mails durch die US-Bundespolizei FBI über der Kandidatin schwebt, verlor die Übergangs-Parteichefin Donna Brazile wegen Enthüllungen gehackter E-Mails ihren Job als Expertin beim Nachrichtensender CNN.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte am Montag erneut Dokumente, bei denen es sich um Korrespondenz von Clintons Wahlkampfchef John Podesta handeln soll. In einer Mail vom März, die von Brazile stammen soll, wird eine Frage verraten, die Clinton später bei einer Debatte gegen den Parteilinken Bernie Sanders im Vorwahlkampf gestellt wurde. Vor Wochen war bereits eine ähnliche Nachricht unter den "Podesta-E-Mails" gewesen, die Wikileaks nach und nach veröffentlicht.

In den Umfragen musste Clinton leichte Einbußen hinnehmen. Mehr Bundesstaaten als noch Ende vergangener Woche wurden von Meinungsforschern als umkämpft eingestuft, landesweit beträgt Clintons Vorsprung im Durchschnitt aller wesentlichen Umfragen nur noch 2,5 Prozentpunkte. Clintons Konkurrent Donald Trump zeigte sich erfreut.

Zum ersten Mal seit Mai liegt Trump in einer Umfrage des Senders ABC und der "Washington Post" vor Clinton. Der republikanische Präsidentschaftskandidat kommt nach den Zahlen vom Dienstag mit 46 Prozent auf einen Punkt mehr als die Demokratin. Als Grund wurde ein abnehmender Enthusiasmus für Clinton vermutet. Andere Umfragen sehen Clinton weiter mit Abstand vorne. US-Medien wiesen darauf hin, dass derzeit weiter vieles für einen Sieg Clintons spreche. Der Ausgang am 8. November sei aber weniger gewiss als vor wenigen Tagen.

Vorsprung schmilzt


Das Portal RealClearPolitics, das seit Monaten einen Querschnitt aller Umfragen erhebt, sieht Clinton nach wie vor mit 2,2 Punkten in Front. Der weiteste Abstand betrug sieben Punkte, das war vor gut zwei Wochen. Clinton habe 263 Wahlmänner sicher, Trump 164, und 111 seien noch nicht zuzuordnen. Der Blog "Fivethirtyeight" von Nate Silver beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Clinton die Wahl gewinnt, auf 73,6 Prozent. Im Blog "The Upshot" der "New York Times" sind es 88 Prozent.

ABC wies darauf hin, dass die Wählerpräferenzen eine Woche vor der Wahl nicht notwendigerweise Rückschlüsse auf das Abstimmungsverhalten zuließen. So habe auch Mitt Romney bei der Wahl 2012 um diese Zeit einen Punkt vor Barack Obama gelegen, ebenso wie John Kerry 2004 vor George Bush. Romney und Kerry verloren ihre Wahlen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.