Deutsch-französischer Ministerrat
Merkel und Hollande wieder Hand in Hand

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande betonten am Donnerstag auch durch Gesten die enge Verbundenheit beider Länder. Im Zuge der Flüchtlingsfrage war es zwischen Deutschland und Frankreich jüngst zu Spannungen gekommen. Bild: dpa

Die Risse scheinen gekittet: Nach Irritationen in der Flüchtlingspolitik zeigen Deutschland und Frankreich jetzt wieder demonstrative Einigkeit. "Wir können nur gemeinsam besser werden", sagt Kanzlerin Merkel.

Metz. Die Reibereien vergangener Monate wischt Angela Merkel charmant zur Seite. Harte Worte, Unterschiede und Kritik stachelten sie eher an, als sie verzagen zu lassen, sagt die Kanzlerin lächelnd, als ein Journalist sie auf die beißende Kritik des französischen Premierministers Manuel Valls an der deutschen Flüchtlingspolitik anspricht. Die ist gerade zwei Monate her und hatte ein großes Fragezeichen hinter die Gemeinsamkeit des deutsch-französischen Tandems gesetzt.

Viele warme Worte


Das Ziel beim Treffen der beiden Regierungen in Metz ist deshalb offensichtlich: Warme Worte und große Symbolik sollen am Donnerstag klar machen, dass der deutsch-französische Motor rund läuft, nicht nur beim alltäglichen Krisenmanagement in der Ukraine oder bei der Solidarität nach den Pariser Terror- anschlägen. "Nicht nur ein Ritual" seien diese deutsch-französischen Ministerräte mit diesmal jeweils um die 15 Minister, sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Es gehe darum, "möglichst viel Gleichklang" zu erzeugen.

Wie zur Illustration der engen Bande treffen Merkel und Hollande am Vormittag 80 Jugendliche aus beiden Ländern, hören sich eine halbe Stunde deren Wünsche, Sorgen und Fragen an. "Das war ziemlich interessant, weil wir unterschiedliche Geschichten haben", erzählt eine 16-jährige Berlinerin den Politikern über das Zusammentreffen mit den jungen Franzosen. Viele der Jugendlichen kommen aus sozial benachteiligten Verhältnissen, einige haben selbst eine Migrationsgeschichte und schildern zum Beispiel Schwierigkeiten für Flüchtlinge beim Zugang zu Arbeit und Ausbildung.

Eine Art Übung in Bodenhaftung vor laufenden Kameras, an der auch zahlreiche weitere Minister teilnehmen. Thema ist die Integration, bei der Deutschland und Frankreich künftig enger zusammenarbeiten wollen. Die Vorschläge des Pariser Außenministers Jean-Marc Ayrault und der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sind zwar vor allem viele Absichtserklärungen, sich besser auszutauschen - aber auch sie sind eben vor allem ein Symbol: "Wir können nur gemeinsam besser werden", betont Merkel.

Auf Zeit gespielt


Auch bei der Flüchtlingspolitik versichern beide Seiten, dass sie nun an einem Strang ziehen, bei der Sicherung der EU-Außengrenzen und beim Flüchtlingsabkommen mit der Türkei. Und wo es künftig noch knirschen könnte, wird auf Zeit gespielt.

So lassen die beiden sich nicht auf die Diskussion ein, ob die Vereinbarung mit der Türkei es nicht nötig macht, mehr als die im Rahmen der EU-Vereinbarung zugesagten 160 000 Flüchtlinge umzuverteilen. "Da vergeht noch eine Menge Zeit, selbst wenn die Geschwindigkeit sich verdreifacht", sagte Merkel. Frankreich hat feste Verteilquoten in der EU bislang ausgeschlossen und rückt davon auch nicht ab.

Hintergrund ist wohl auch: Ein Hauptgrund für die französischen Sorgen ist erstmal weniger akut. Dies klingt an, als Steinmeier am Rande sagt: "Ich glaube, jetzt mit Blick auf die zurückgehenden Flüchtlingszahlen werden wieder Lösungen möglich, die in der Vergangenheit schwierig waren."

Sicher sei die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich "Arbeit in stürmischer Zeit", sagt Angela Merkel. Doch sie malt das ganz große Bild und erinnert daran, dass sich vor 100 Jahren noch keine 100 Kilometer entfernt Deutsche und Franzosen vor Verdun abschlachteten. "Das war ein wirklich emotional auch berührender deutsch-französischer Ministerrat."
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