Deutscher Ethikrat zur Lage der Krankenhäuser
Patienten haben oft das Nachsehen

In Krankenhäusern haben ältere Patienten, Menschen mit mehreren Krankheiten und Behinderte mit schlechter Versorgung zu rechen. Das geht aus einer Analyse des Deutschen Ethikrats hervor. Archivbild: dpa

Deutschlands Krankenhäuser müssen immer stärker an ihre Budgets denken. Das Nachsehen haben zu oft die Patienten. Zu dieser Erkenntnis kommt der Deutsche Ethikrat.

Berlin. (dpa/epd) Zu wenig Zeit zum Reden, hoher Kostendruck: Eine zu starke Ausrichtung am Umsatz statt am Patienten führt zu zahlreichen Missständen bei den knapp 2000 Krankenhäusern in Deutschland. Das ist der Tenor einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme des Deutschen Ethikrats. Dieser berät die Politik in ethischen Fragen berät. Mit Blick auf das Patientenwohl gebe es "Anlass zur Sorge". "Die Krankenhausversorgung befindet sich auf einem hohen Niveau, aber sie knirscht, weil sie unbalanciert ist", sagte die Ratsvorsitzende Christiane Woopen.

Behinderte "gehen unter"


Den Krankenhäusern fehlt es laut Ethikrat an Planungssicherheit. Deshalb setzten sie oft alles daran, die Ausgaben zu drücken. Die Kliniken tendieren dem Rat zufolge dazu, gewinnbringende Behandlungen im Übermaß anzubieten. Lücken entstünden dagegen bei der Versorgung "weniger lukrativer" Patienten. Verbesserungen sind demnach vor allem nötig für ältere Patienten, Menschen mit mehreren Krankheiten, Demenzkranke, aber auch für Kinder. "Menschen mit Behinderungen werden im Krankenhaus nur ungern behandelt und leider auch unzureichend", sagte Ratsmitglied Michael Wunder. So würden nur Behinderte persönliche Assistenten mitbringen dürfen, die sie auch sonst im Alltag als Unterstützung haben. Andere Menschen mit Behinderungen, die in Heimen leben, "gehen unter", kritisierte er.

Als Kernproblem sieht der Rat Kommunikationsprobleme an. Es gebe nicht nur mangelnde Hinwendung zum Patienten und oft zu wenig Aufklärung über Behandlungen und Alternativen, sagte Ratsmitglied Michael Wunder. Auch zu Fehlbehandlungen käme es durch zu wenig Kommunikation.

Mehr Stellen geschaffen


Das Beratungsgremium empfiehlt, die Krankenpflege durch Mindestquoten für Pflegekräfte zu verbessern. Die Krankenhäuser sollten die Behandlungen von Patienten mit mehreren Krankheiten angemessener abrechnen können. Durch bessere Kommunikation sollen den Patienten mehr Informationen zugänglich werden. Das soll sich laut den Experten auch in der Bezahlung der Kliniken niederschlagen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betonte, beim Pflegepersonal und den Ärzten seien in den vergangenen Jahren Zehntausende Stellen geschaffen worden. Durch ein Förderprogramm der Koalition werde die Einstellung weiterer 6000 Pflegekräfte gefördert.
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