Deutschland, Frankreich und Italien wollen bei Brexit keine Hängepartie
David Cameron spielt auf Zeit

Deutschland, Frankreich und Italien pochen auf einen raschen Beginn der Verhandlungen mit Großbritannien über einen EU-Austritt. Wir wollen keine Hängepartie, so Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der italienische Regierungschef Matteo Renzi (von links) am Montag in Berlin. Bild: dpa

Nach dem Brexit-Votum der Briten üben drei große EU-Staaten den Schulterschluss: Deutschland, Frankreich und Italien wollen schnell zu Verhandlungen über einen Austritt Großbritanniens kommen. Anders als der britische Noch-Premier Cameron.

London/Berlin. Deutschland, Frankreich und Italien pochen nach dem Brexit-Votum der Briten auf rasche Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens. Vorab-Vereinbarungen mit London erteilten Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande sowie der italienische Regierungschef Matteo Renzi am Montag in Berlin eine Absage.

Kreditwürdigkeit abgestuft


Einen Tag vor dem EU-Gipfel in Brüssel wies der britische Premierminister David Cameron dagegen Forderungen nach umgehenden Verhandlungen zurück. Offizielle Austrittsgespräche sollten erst aufgenommen werden, wenn Großbritannien eine Entscheidung über die Art seiner künftigen Beziehung zur EU getroffen habe, sagte er vor dem Parlament in London. Als Reaktion auf das Brexit-Votum erkannte die US-Ratingagentur Standard & Poor's Großbritannien die Top-Kreditwürdigkeit ab. Die Bonität des Landes sei von der besten Stufe "AAA" auf "AA" herabgestuft worden, teilte die Agentur mit. Der Ausblick sei negativ. Die Abstufung sei darauf zurückzuführen, dass das Brexit-Votum "die Vorhersehbarkeit, die Stabilität und die Effektivität der politischen Prozesse in Großbritannien" schwäche.

Die Regierungen in Berlin, Paris und Rom wollen mit einer gemeinsamen Initiative zur Erneuerung der EU den Zusammenhalt der Europäer nach dem Brexit-Votum sichern. Auf dem EU-Gipfel an diesem Dienstag und Mittwoch sollten daher Vorschläge für einen "neuen Impuls" für die EU gemacht werden, sagte Merkel. In einer gemeinsamen Erklärung betonten Merkel, Hollande und Renzi: "Wir sind voller Zuversicht, dass die Europäische Union stark genug ist, um die richtigen Antworten zu geben. Wir haben keine Zeit zu verlieren." Die EU könne nur vorangebracht werden, wenn sie weiter von ihren Bürgern getragen wird.

Die Kanzlerin unterstrich, es werde keine formellen oder informellen Gespräche mit London über einen Austritt geben, bevor nicht der Antrag der britischen Regierung eingegangen sei. "Wir wünschen uns natürlich, dass es hier keine Hängepartie gibt." Wann offizielle Austrittsverhandlungen beginnen, liege allein in der Hand Großbritanniens, sagte dagegen Cameron bei der ersten Parlamentssitzung seit dem Referendum. Unmittelbar nach der Abstimmung hatte er angekündigt, bis Oktober zurückzutreten. Es obliege einem neuen Premierminister und dessen Kabinett, die Art der künftigen Beziehung zur EU festzulegen, sagte er. Bestrebungen, ungeachtet des Referendums einen Austritt aus der EU doch noch abzuwenden, erteilte Cameron eine Absage.

Dax und Pfund unter Druck


Der Brexit-Schock hat den deutschen Aktienmarkt am Montag weiter auf Talfahrt geschickt. Der Dax büßte 3,02 Prozent ein. Auch der Euro und vor allem das britische Pfund standen weiter unter Druck. (Kommentar, Seite 2, 5 und 17)

Wir wünschen uns natürlich, dass es hier keine Hängepartie gibt.Bundeskanzlerin Angela Merkel
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