Deutschland und der Fremdenhass: Angriffe auf Flüchtlingsheime sind kein rein ostdeutsches ...
Immer mehr rechtsextreme Übergriffe

Aus der Luft ist das Ausmaß des Schadens im Flüchtlingsheim in Tröglitz erkennbar. Bild: dpa
Der Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in dem kleinen Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt sorgt für Aufruhr. Die Polizei vermutet einen rechten Hintergrund. Die Ermittlungen laufen allerdings noch. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) spricht von einem bundesweiten Problem. Schließlich steige die Zahl solcher Übergriffe im gesamten Bundesgebiet. "Tröglitz ist überall", sagt Haseloff. Was ist dran an dieser Aussage?

Tatsächlich ist die Zahl der Angriffe auf bestehende oder geplante Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen - und zwar im Osten und im Westen. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Delikte wie Farbschmierereien oder Sachbeschädigungen, aber auch Brandstiftungen. 2014 registrierte die Polizei bundesweit 162 rechtsextrem motivierte Angriffe auf Unterkünfte für Asylbewerber, knapp 70 davon in westdeutschen Ländern. Die Zahl schnellte im Laufe des Jahres nach oben. Allein im vierten Quartal 2014 wurden fast 70 solcher Delikte registriert.

Auch im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anstieg beachtlich: 2012 hatte die Polizei noch 24 Übergriffe auf Asylbewerberheime gezählt. 2013 waren es 58. Und ein Jahr später dann fast dreimal so viel.

Hinzu kommen Proteste gegen existierende und geplante Unterkünfte für Flüchtlinge. Allein im vergangenen Jahr zählten die Behörden fast 80 solcher Demonstrationen, oft organisiert von der rechtsextremen NPD. Kundgebungen gab es im Osten wie auch im Westen. Auch hier wurden allerdings etwas mehr Proteste in den neuen Bundesländern gemeldet. Insgesamt ist die Zahl der rechten Straftaten in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Rund 10 500 solcher Delikte wurden nach vorläufiger Listung 2014 gezählt, davon knapp 500 Gewalttaten. Die Zahlen gehen seit einigen Jahren nach unten. Kritiker bemängeln aber die Zählweise. Sie beklagen, viele rechtsextreme Straftaten landeten erst gar nicht in der Statistik, weil der eigentliche Hintergrund nicht richtig erfasst werde.

Gibt es Unterschiede in den Köpfen - in Ost und West? Forscher der Universität Leipzig untersuchen seit Jahren in regelmäßiger Folge, wie weit rechtsextreme Einstellungen in der Gesellschaft verbreitet sind. Offensive rechte Positionen finden demnach immer weniger Zustimmung. Was zunimmt, sind aber Ressentiments gegenüber bestimmten Gruppen wie Asylbewerbern.

Die Wissenschaftler haben nun aus den Daten der vergangenen Jahre auch eine Auswertung zur regionalen Ausprägung rechter Positionen gemacht. Ein Ergebnis: Ausländerfeindliche Einstellungen gibt es zwar überall, am ausgeprägtesten aber in den ostdeutschen Ländern - vor allem in Sachsen-Anhalt. Ein "Ausreißer" ist Bayern, das auf Rang zwei landet.

Fazit: Fremdenhass und Angriffe auf Flüchtlingsheime sind keineswegs ein rein ostdeutsches Phänomen und erst recht keines, das auf Sachsen-Anhalt begrenzt wäre. Allerdings sind die Probleme im Osten etwas stärker ausgeprägt als in anderen Teilen der Republik.
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