Deutschlands Superreiche haben ausgesorgt - Hilfsorganisation Oxfam fordert Milliardärssteuer ...
Sie machen sich nie mehr Sorgen um Geld

Mit einer Million Euro pro Tag, wem erzählt man das, ließe sich durchaus auskommen. In Deutschlands reichsten Familien sogar eine ganze Weile, wie die Hilfsorganisation Oxfam nun ausgerechnet hat. Die Familie von Theo Albrecht junior zum Beispiel, Erbe der Discounterkette Aldi Nord, würde es damit ohne jede sonstigen Anstrengungen bis ins Jahr 2051 schaffen. Genau 37 Jahre würde es dauern, bis von ihrem geschätzten Vermögen in Höhe von 13,5 Milliarden Euro nichts mehr übrig wäre - Zinsen, Mieteinnahmen, Aktiengewinne und andere Gelderträge, die die Rechnung komplizierter machen würden, mal ausgenommen.

Bei Michael Otto und Familie, reich geworden durch den gleichnamigen Versandhandel, wäre es bei Tagesausgaben von einer Million Euro mit dem Reichtum nach 36,5 Jahren vorbei. Die Familie von Lidl-Gründer Dieter Schwarz (Lidl) müsste sich in 33 Jahren erstmals wieder Gedanken ums Geld machen. Und bei den Quandts - vom "Manager Magazin" dank ihrer Beteiligungen an BMW, Altana, SGL Carbon etc. soeben wieder zu Deutschlands reichster Familie überhaupt gekürt - kämen die wichtigsten Mitglieder sogar einzeln ähnlich lange aus: Die Mutter Johanna Quandt (88) bis 2040, die beiden Kinder Stefan Quandt (48) und Susanne Klatten (52) bis 2044 beziehungsweise 2048. Grundlage für die Oxfam-Studie ist die aktuelle Liste des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes", mit der man sich regelmäßig einen Überblick über die reichsten Leute der Welt verschaffen kann. Die Erhebung wurde vor einigen Tagen in Cambridge veröffentlicht. Die Datensätze für Deutschland hat Oxfam auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa erstellt. Demnach gibt es weltweit inzwischen 1645 Dollar-Milliardäre. Ihr Gesamtvermögen entspricht den Bruttoinlandsprodukten Deutschlands und Kanadas zusammen. Und die 85 Reichsten von ihnen besitzen genau so viel Geld wie die ärmere Hälfte der gesamten Weltbevölkerung - immerhin mehr als 3,6 Milliarden Menschen.

So lässt sich die zentrale Botschaft des Berichts auch anders ausdrücken: Die einen haben mehr Geld, als sie jemals ausgeben können. Die anderen werden davon auf ewig nur träumen. Oxfam nennt die soziale Ungleichheit, die schneller wächst als die Weltwirtschaft, das "Kernproblem des 21. Jahrhunderts". Tatsächlich geht die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sich die Zahl der Dollar-Milliardäre verdoppelt. In Ländern wie Indien ist die Entwicklung am extremsten. Trotz aller Armutsprobleme stieg dort die Zahl der Super-Reichen seit den 90er Jahren von 2 auf 65.

Die Deutschen mit ihren insgesamt 82 Dollar-Milliardären liegen nicht einmal auf den Spitzenplätzen: Bei Microsoft-Gründer Bill Gates und dem mexikanischen Geschäftsmann Carlos Slim, die sich an der Spitze der "Forbes"-Liste immer mal wieder abwechseln, würde das Vermögen (geschätzt jeweils etwa 80 Milliarden US-Dollar) sogar fast ins 23. Jahrhundert reichen.

Weniger spendabel

Gates zumindest gehört allerdings auch zu den großzügigsten Spendern. Auch von Organisationen wie Oxfam bekommt er regelmäßig Lob dafür. Bei Deutschlands Milliardären hingegen ist die Spendenbereitschaft weniger ausgeprägt, auch wenn nach einer Untersuchung der Universität Heidelberg mindestens 140 der 300 reichsten deutschen Familien Stiftungen gegründet haben.

Oxfam verbindet die Studie deshalb mit einem neuen Appell zur Einführung einer "Superreichen-Steuer": Allein, wenn man das über eine Milliarde US-Dollar hinausgehende Vermögen der 1645 Dollar-Milliardäre mit nur 1,5 Prozent besteuern würde, kämen umgerechnet 58 Milliarden Euro im Jahr zusammen. Das wäre genug, um in den ärmsten Ländern der Welt alle Kinder zur Schule zu schicken und dazu noch ein funktionierendes Gesundheitssystem aufzubauen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Berlin (7520)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.