DHL-Paketdienst wird mit 51 Irakern in Wernberg gestoppt
51 Iraker im DHL-Lastwagen

Trick 17 der Schleuser-Mafia: Laut Bundespolizei ist es gängige Praxis, Lkw oder Planen von bekannten Logistikdienstleistern zu nutzen, um möglichst unauffällig die Grenzen zu überqueren. Bild: dpa

"We move the world." Das war einmal ein schöner Werbeslogan des DHL-Paketdienstes. Vergangenen Mittwoch hatte ein gelber Transporter mit rotem DHL-Schriftzug auf der A 6 eine ganz andere Fracht: 46 Männer, zwei Frauen, drei Kleinkinder.

(ca) 51 Iraker waren in einem 7,5-Tonner ins Land gebracht worden. Sie waren in Wernberg aufgegriffen worden. Einem Hinweis ist es laut Staatsanwaltschaft zu verdanken, dass der Polizeiinspektion Nabburg wenig später auch der Lastwagen plus Fahrer ins Netz ging. Der Lkw war auf einem Parkplatz an der A 6 bei Wittschau geparkt. "Die Beobachtung eines aufmerksamen Bürgers spielte ein Rolle", sagt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. "Die Polizeiinspektion Nabburg hat darauf super reagiert." Die Ermittlungen übernahm die Bundespolizei Waidhaus.

Schleuser in Haft

Wie Schäfer bestätigt, handelt es sich bei dem Laster um einen DHL-Transporter - zumindest optisch. Der Weidener Chefermittler geht nicht davon aus, dass das Post-Unternehmen mit der Schleusung zu tun hat: Dafür gebe es "nicht den leisesten Verdacht". Die Polizei konnte auch den mutmaßlichen Schleuser festnehmen, der jetzt in Weiden in Haft sitzt: ein 26-jähriger Brite mit irakischen Wurzeln. Der Laster trug ebenfalls ein britisches Kennzeichen. Bei der Post findet man die Nachricht durchaus spannend: Sprecher Erwin Nier hält die Nutzung des unverdächtigen DHL-Logos für einen Trick zur Tarnung. Wer vermutet in einem gelben Post-Laster schon Menschen statt "Zalando" und "Amazon"? Nier kann über die Herkunft des gelben Lkw auch nur spekulieren. Zwar würden Lastwagen gebraucht weiterverkauft. Dann wird aber in der Regel der rote Schriftzug entfernt, allenfalls könne ein Schmutzabdruck nachgemalt werden. Nicht ausschließen konnte er einen Diebstahl. Ohnehin: Die DHL ist international tätig und beschäftigt weltweit über 480 000 Mitarbeiter in mehr als 220 Ländern.

Hunderte Lastwagen

Tarnen und Täuschen mit gängigen "Brandings"? Dieser Verdacht liegt auch für Oberstaatsanwalt Schäfer nahe. Im August hatte die Polizei kurz vor Waidhaus zwei Ungarn gestoppt, die in einen 7,5-Tonner 81 Pakistani und Syrer geladen hatten. Auch sie nutzten eine unauffällige Plane: "M & M" auf blauem Grund. Dabei handelt es sich um das Firmenlogo des Speditionsriesen Militzer & Münch mit Sitz in der Schweiz.

In Europa sind täglich Hunderte solcher Lkw unterwegs. Das Unternehmen distanzierte sich umgehend von "Schleusungen jeglicher Art". Es handelte sich auch nicht um Mitarbeiter der Firma. Die Schleuser hatten eine gebrauchte Plane verwandt.
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