Die AfD als Chaos-Truppe

Die Gründung des Vereins "Weckruf 2015" mit dem Bernd Lucke die Nationalkonservativen aus der Partei drängen will, hat ihm auch bei Unterstützern geschadet. Bild: dpa

Schnell hat sich das Image der AfD gewandelt. Aus der forschen Newcomer-Partei, die bei Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse einfährt, ist ein zerstrittener Haufen geworden. In bundesweiten Umfragen krebst die AfD an der Fünf-Prozent-Hürde herum.

Bei der Alternative für Deutschland muss man jederzeit auf alles gefasst sein. Dass der AfD-Bundesparteitag jetzt elf Tage vor dem Beginn abgesagt wurde, ist allerdings selbst nach den Maßstäben dieser konservativen Chaos-Truppe bemerkenswert. Für Parteigründer Bernd Lucke ist die Entscheidung, die im Vorstand mit 5:2 Stimmen gefällt wurde, dennoch prinzipiell eine gute Nachricht. Denn auf dem Parteitag in Kassel sollten nur die 601 Delegierten den neuen Bundesvorstand wählen. Der Ersatz-Parteitag, der zwei Wochen später stattfinden soll, soll dagegen allen Mitgliedern offen stehen.

Lucke glaubt, dass er bei den Parteimitgliedern mehr Rückhalt hat als bei den Delegierten. Vor allem unter den Delegierten, die aus Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland nach Kassel geschickt werden sollten, waren viele Lucke-Gegner.

Frauke Petri unzufrieden

Dementsprechend unzufrieden ist Luckes größte Rivalin, die Co-Vorsitzende Frauke Petry, mit der Entscheidung, den Parteitag in Kassel platzen zu lassen. Sie sagt im Gespräch mit dem "Handelsblatt": "Die Absage ist für die Außenwahrnehmung der AfD schlecht, und sie erhöht die Unsicherheit für alle Mitglieder. Das ist kein gutes Signal." Ein Unterstützer von Lucke vermutet bei Petry andere Beweggründe. Er sagt: "Petry und der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Marcus Pretzell sind in den letzten Wochen durch die Lande gezogen, um die Delegierten gezielt gegen Lucke aufzuwiegeln."

Ob Luckes Kalkulation aufgeht, ist allerdings noch fraglich. Denn dass er im Mai mit der Gründung eines Vereins versucht hat, die Rechtsnationalen aus der Partei zu drängen, ist auch bei einigen seiner Anhänger nicht gut angekommen. "Das war vielleicht gut gemeint, aber es war einfach die falsche Methode, weil es die Spaltung in der Partei noch weiter verstärkt", sagt ein Mitglied des Bundesvorstandes.

Außerdem sind die Delegierten, von denen viele zum Mitgliederparteitag kommen werden, sicher nicht sonderlich angetan von diesem organisatorischen Salto. Und zwar nicht nur, weil sie jetzt kurzfristig ihre Hotelreservierungen und Bahn-Fahrkarten stornieren müssen.

Für den Co-Vorsitzenden Konrad Adam ist die Frage der Verschiebung des Parteitages keine Entscheidung für oder gegen Lucke gewesen. Er sagt: "Ich habe die Einsprüche und Bedenken, die unser Bundesschiedsgericht gegen die Delegiertenwahlen in einigen Landesverbänden hatte, sehr ernst genommen."

Nach handlungsfähig?

Welcher Ton bei einigen in der Partei herrscht, zeigt auch eine Botschaft, die kürzlich bei einem Mitglied des Parteivorstandes einging. Der anonyme Absender schrieb: "Eines verspreche ich Ihnen, wenn sie endlich mal abgenippelt sind, dann werde ich kommen und auf ihr Grab pissen." Zumindest in einem Punkt hat Petry recht: Ihren Ruf als Chaos-Truppe hat die AfD durch die Absage ihres Parteitages gefestigt. Nicht nur die Mitglieder der rechtskonservativen Partei fragen sich jetzt: Ist die AfD noch handlungsfähig?
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