Die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten gegen den IS könnten den Wendepunkt im Krieg gegen ...
"Der Himmel über Al-Rakka ist jetzt voller Drohnen"

Auf dem amerikanischen Flugzeugträger USS George H. W. Bush macht die Besatzung in der Nacht zum 23. September ein Kampfflugzeug (im Hintergrund) bereit für den Angriff auf Ziele in Syrien. Bild: dpa
Abdulkader Hariri twittert als einer der Ersten am frühen Morgen von den Angriffen. Direkt aus Al-Rakka, der Hochburg der Terrormiliz IS in Syrien, setzt er seine Nachricht ab. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit im Internet. "Die Geräusche von Kriegsflugzeugen sind deutlich zu hören", schrieb er Minuten später. Und dann: "Der Himmel über Al-Rakka ist jetzt voller Drohnen."

Keine Stunde später war klar: US-Präsident Barack Obama hat den Angriffsbefehl erteilt. Sechs Wochen nach Beginn der Bombardements gegen IS-Stellungen im Irak weiten die USA ihre Luftangriffe auf das benachbarte Syrien aus.

Rückhalt gesichert

Das Ziel sind Kommandozentren, Führungsposten, Waffenlager und Trainingscamps der Dschihadisten. Mehr als einen Monat hatten Kampfflieger auf Überwachungsflügen Informationen gesammelt, um mehr Erkenntnisse über das Chaos in dem schwer umkämpften Land zu gewinnen. Anders als im Irak, wo die Amerikaner alleine losschlugen und erst nach und nach militärische Unterstützung etwa von Frankreich bekamen, sicherten sie sich in Syrien schon vorher breiten Rückhalt in der Region. Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar greifen nun an Seite des US-Militärs an, wie die "Washington Post" unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet. Diese Partner gelten als Schlüssel, um die Extremisten zurückzudrängen.

Schon die ersten Attacken waren auch eine Demonstration der Macht. Anders als die eher schnellen und gezielten Schläge auf Fahrzeuge und Panzer im Irak, die das Pentagon fast täglich in knappen Depeschen protokolliert, schlugen die USA und ihre fünf Verbündeten in Syrien härter zu. Kampfjets, Bomber und "Tomahawk"-Marschflugkörper flogen laut Pentagon. Auch Kampfdrohnen und das Jagdflugzeug F-22 "Raptor" waren im Einsatz. Eine ganze Angriffswelle aus Raketen und Präzisionsbomben ging auf Al-Rakka und Orte entlang der syrisch-irakischen Grenzen nieder, wie Medien berichteten.

"Umfangreich und nachhaltig" werde der Anti-Terror-Krieg gegen den IS sein, hatte Obama den Amerikanern bei seiner Rede an die Nation vor zwei Wochen gesagt, als er sie auf einen langen Krieg gegen die laut CIA bis zu 31 000 Kämpfer starke Terrormiliz eingeschworen hatte.

Die Bevölkerung Syriens, wo seit dreieinhalb Jahren ein erbitterter Bürgerkrieg tobt, der Menschenmassen in die Flucht gezwungen hat, muss sich nun auf noch schwerere Kämpfe und ein noch größeres Chaos gefasst machen. Zugleich können die Menschen hoffen, dass die breit angelegte Attacke gegen IS ein Wendepunkt bedeutet.

Türkei unter Zugzwang

"Was für ein bedeutsamer Tag, ein Tag auf den wir uns so, so lang gefreut haben", sagte ein Angehöriger der syrischen Opposition im Sender CNN. Der Moderator bemerkte, dass die Türkei sich nicht an dem Angriffsbündnis beteiligt habe. Das einzige Nato-Mitglied in der Region hatte sich zum Schutz von 49 im Irak entführten Geiseln erst nicht an Attacken auf IS-Ziele beteiligen wollen. Ankara habe nach deren Befreiung keinen Vorwand mehr, sich herauszuhalten, sagten Kommentatoren.

Die Luftangriffe allein werden den IS kaum besiegen. Als zweite Säule der Strategie gegen die Islamisten in Syrien soll eine Trainings- und Bewaffnungsmission des US-Militärs für die als gemäßigt geltenden Gruppe der Rebellen folgen. Noch wird gerätselt, wie das Pentagon die schwarzen Schafe bei dieser Operation aussieben und "gute" von "bösen" Rebellen unterscheiden will. Dass Präsident Baschar al-Assad indirekt von den Angriffen der Amerikaner profitiert, ist zunächst das kleineres Übel.
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