Die Arbeit eines jungen Entscheiders im Asylverfahren - Alles andere als ein kalter Bürokrat
Mit 23 Jahren die ganze Welt im Blick

In seinem Büro hat Dan-Marvin Frosting drei Karten an der Wand: eine Weltkarte, eine Europakarte und eine von Rheinland-Pfalz. In seinem Beruf habe er die ganze Welt im Blick, sagt der Beamte in der Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bingen. Der 23-Jährige ist einer der jüngsten Entscheider dieser Behörde - diese befinden über die Asylanträge von Flüchtlingen.

Wie wird man Entscheider? Für Frosting war das ein geradliniger Weg. Der gebürtige Mainzer machte in Alzey sein Abitur, dann studierte er von 2011 bis 2014 an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl (Nordrhein-Westfalen). Dort wurde er schon mit 19 Jahren Beamter und beschäftigte sich dann vor allem mit Ausländerrecht. Gleich seine erste Aufgabe führte ihn zum BAMF nach Nürnberg. Ein Jahr lang arbeitete er dort in der Abteilung Internationale Aufgaben. Als dann in diesem Jahr die Außenstelle in Bingen eröffnet wurde, zog es Frosting wieder nach Rheinhessen.

Wie ein Richter

Der junge Entscheider ist alles andere als ein kalter Bürokrat. "Empathie ist fast das wichtigste bei der Anhörung", sagt er zu seinen Begegnungen mit Asylbewerbern, die schon mal bis zu zweieinhalb Stunden dauern können. Die hohe Verantwortung seiner Tätigkeit mache schon die Berufsbezeichnung Entscheider deutlich: "Ich entscheide, ob die Menschen hier bleiben können oder nicht. Das ist vergleichbar mit der Arbeit eines Richters." Zu Beginn jeder Anhörung bittet Frosting den Antragsteller, nur die Wahrheit zu sagen, sich nicht an etwaige Vorgaben von Schleppern zu halten. "Ob eine Geschichte plausibel ist, lässt sich in der Regel durch gezieltes Nachfragen recht schnell feststellen", sagt er. "Ich finde es bedauerlich, wenn ein Antragsteller eine erfundene Geschichte vorzieht. Ich denke, dass der Betreffende in vielen Fällen eine bessere Chance gehabt hätte, wenn er bei der Wahrheit geblieben wäre."

Entscheider bekommen es jeden Tag mit neuen menschlichen Schicksalen zu tun. Um die Menschen aus Ländern mit hohen Flüchtlingszahlen wie Syrien oder die Staaten des westlichen Balkans kümmern sich alle Entscheider.

Daneben gibt es Spezialisten, die sich mit ganz bestimmten Ländern auskennen. So bearbeitet nur die Außenstelle in München Anträge von Flüchtlingen aus der Demokratischen Republik Kongo. Leitsätze des BAMF für einzelne Herkunftsländer sowie ein Netzwerk von Informationen mit Berichten von deutschen Botschaftern, aber auch von Nichtregierungsorganisationen unterstützen die Entscheider bei der Einschätzung der unterschiedlichen Situationen im Herkunftsland der Flüchtlinge.

Per Rad Abstand gewinnen

Bewegung tue ihm gut, um Abstand zu bekommen, erzählt Frosting. So lege er gern die 25 Kilometer zur Arbeit mit dem Fahrrad zurück. Und ihm ist eine entspannte Atmosphäre in der Anhörung wichtig. Als sich ein Asylbewerber in der Anhörung nicht an seinen Hochzeitstag erinnern kann, schmunzelt Frosting und scherzt: "Meine Frau würde mir das aber übelnehmen!"
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