Die Folgen der Anschläge in Paris beschäftigen Politiker und Meinungsmacher
Gemischte Konsequenzen

Es gab laute Kritik wegen des Fehlens von US-Präsident Barack Obama beim Solidaritätsmarsch in Paris am Sonntag. Deshalb will der amerikanische Außenminister John Kerry noch diese Woche nach Frankreich reisen. Bild: dpa
Paris/Berlin. (dpa/epd/KNA) Vier Tage nach den islamistischen Terrorattacken in Paris häufen sich Reaktionen und Einschätzungen. Wir fassen die wichtigsten zusammen:

Aus Sicht des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek , gibt es viel Satire, "die ich als geschmacklos, beleidigend oder peinlich empfinde". In solchen Fällen setze er sich aber "mit dem Wort oder mit dem Stift oder auch mit Humor damit auseinander", sagte er im Interview der "Rheinischen Post". Viel schlimmer aber als ekelhafte und beleidigende Satire etwa in Form von Karikaturen sei "die Pauschalisierung mancher Talkshows, die Islam und Terror gleichsetzen".

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor beklagt "blanken Hass", der ihr seit dem Terror von Paris in der vorigen Woche verstärkt entgegenschlage. Im "Kölner Stadt-Anzeiger" führt Kaddor dies besonders auf ihre Kritik an der Pegida-Bewegung zurück. "Mit ihrer Islamfeindlichkeit bedient sie exakt den Radikalismus, gegen den sie sich angeblich wendet. Pegida und Salafismus treffen sich in ihren extremistischen Ideen, auch wenn sie aus entgegengesetzten Richtungen kommen", sagte Kaddor.

US-Außenminister John Kerry will nach Kritik an der Abwesenheit hochrangiger US-Politiker - allen voran Präsident Barack Obama - beim Gedenkmarsch für die Terror-Opfer von Paris am Sonntag nach Frankreich reisen. Er werde am Donnerstag und Freitag Paris besuchen, um Solidarität zu zeigen, sagte Kerry am Montag im indischen Gujarat. In Washington gestand Obama-Sprecher Josh Earnest einen Fehler der USA ein: "Wir hätten jemanden mit einem höheren Profil schicken sollen."

Auch mehrere CSU -Politiker nehmen heute um 18 Uhr in Berlin an der Mahnwache der Muslime für Toleranz und Weltoffenheit teil. Parteichef Horst Seehofer sagte am Montag, für die CSU seien Generalsekretär Andreas Scheuer , Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und die drei CSU-Bundesminister dabei. Zudem wollen weitere Bundesminister, Partei- und Fraktionsspitzen kommen. Auch sie schließen sich der Aktion des Zentralrats der Muslime an.

Nach den Terroranschlägen in Paris warnen die Freien Wähler vor Gefahren für Bayern durch neue Stromtrassen. "Wir müssen die Trassen verhindern", sagte Parteichef Hubert Aiwanger am Montag. Bayern müsse allein aus Gründen der Versorgungssicherheit auf eine dezentrale Stromversorgung setzen. "Es wäre ein Risiko, wenn die Trasse nach einem Terroranschlag oder einem Blitzeinschlag nicht funktioniert."

Die Landtags-SPD lädt Muslime zu einem runden Tisch ein. Fraktionschef Markus Rinderspacher und der integrationspolitische Sprecher Arif Tasdelen wollen sich mit den Vertretern der Muslime über die Gefahr von Terroranschlägen austauschen. Auch die Pegida-Bewegung soll Thema sein. "Die letzten Tage und Wochen haben gezeigt: Wir müssen den Dialog und die Zusammenarbeit mit den Muslimen in Bayern intensivieren", sagte Rinderspacher am Montag. "Es ist immer besser, miteinander als übereinander zu sprechen."
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