Die Ministerin als Vorhut

Vor der Reise nach Erbil zu den Kurden machte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU, links) in Bagdad ihre Aufwartung. Sie traf den irakischen Staatspräsidenten Muhammad Fuad Masum. Bild: dpa

Etwa 100 deutsche Soldaten sollen im Nordirak Kurden für den Kampf gegen die Terrormiliz IS ausbilden. Vorher inspiziert die Verteidigungsministerin die Lage vor Ort. Die Anschläge von Paris geben dem Besuch eine zusätzliche Dimension.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die deutsche Beteiligung am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auch mit der Anschlagsgefahr für Deutschland begründet. "Je länger der IS stark und attraktiv bleibt, desto mehr steigt die Bedrohung für uns zu Hause", sagte die CDU-Politikerin zum Auftakt einer Irak-Reise. "Es geht darum, den Mythos der Unbesiegbarkeit des IS zu brechen." Damit werde auch die Anziehungskraft für europäische Islamisten geschwächt.

Von der Leyen traf am Sonntag in der irakischen Hauptstadt Bagdad unter anderem Staatspräsident Fuad Massum. Gerade angesichts der Anschläge in Paris sei der Zusammenhalt im Kampf gegen die IS-Miliz nun wichtig, sagte sie im Gespräch. Anschließend reiste sie ins nordirakische Erbil weiter, wo in wenigen Wochen 100 deutsche Militärausbilder stationiert werden sollen. Sie sollen die kurdische Peschmerga-Armee zusätzlich zu den bereits erfolgten Waffenlieferungen für den Kampf gegen den IS trainieren.

Kurden danken für Hilfe

Kurden-Präsident Massud Barsani bedankte sich bei von der Leyen für die Unterstützung. Mit den deutschen Waffen sei "das Leben von Hunderten von Peschmerga gesichert oder geschützt worden", sagte er. Den IS bezeichnete er als "Gefahr für die ganze Menschheit" und den Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" als Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit. Von der Leyen sagte, die Anschläge von Paris zeigten, "dass der Terror raumgreifend ist, und der Kampf gegen den Terror uns alle eint". Während ihrer Reise tauchte im Internet ein Bekennervideo auf, das den Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly zeigen soll. Der Mann schwört darin dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue und begründet sein Handeln mit den Angriffen der westlichen Koalition auf den IS. Deutschland ist Teil der internationalen Allianz gegen den IS, der etwa 60 Länder angehören. Die Bundeswehr hat für diesen Kampf bereits Waffen im Wert von 70 Millionen Euro an die Kurden geliefert.

IS hatte nach den Anschlägen mit weiteren Angriffen in Europa und den USA gedroht. "Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen", hatte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul beim Freitagsgebet gesagt. "Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein."

Kämpfe bei Bakuba

Bei Kämpfen zwischen irakischen Regierungskräften und dem IS nördlich von Bagdad kamen am Sonntag mindestens 17 Menschen ums Leben. Die Stadt Bakuba gilt als einer der am härtesten umkämpften Orte nahe Bagdad, seit kurdische Peschmerga-Einheiten den IS in anderen Teilen des Nordiraks zurückgedrängt hatten. (Kommentar)
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