Diskussion in Schlicht: SPD-Landtagsabgeordnete sehen Freistaat in der Pflicht
Erzieher chronisch unterbezahlt

Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl (links) hatte Erzieherinnen zum Fachgespräch eingeladen. Hauptreferentin war Parlamentskollegin Doris Rauscher (rechts vorne sitzend). Bild: gf
Zu wenig Kita-Plätze, überlastetes Personal - dieses Bild zeichnete die familienpolitische Sprecherin der Bayern-SPD und stellvertretende Vorsitzende der Kinderkommission des Landtags, Doris Rauscher, bei einer Diskussion in Schlicht. Die Politikerin war auf Einladung von Landtagsabgeordnetem Reinhold Strobl in den Roten Hahn gekommen und wetterte kräftig gegen den bayerischen Weg bei der Kinderbetreuung.

Rauscher bemängelte vor allem fehlendes Personal an den Kindergärten. "Ich weiß, wo es im Alltag zwickt", sagte die Abgeordnete, die zwar erst seit 2013 im Landtag sitzt, aber davor gut ein Jahrzehnt in einem paritätischen Wohlfahrtsverband tätig war. Die SPD-Politikerin betonte, dass 41,7 Prozent aller Eltern in Bayern für ihre Kinder qualitativ hochwertige Bildungs- und Betreuungsangebote wünschten, aber die tatsächliche Betreuungsquote mit 27,1 Prozent hinterherhinke.

Das Angebot im Landkreis Amberg-Sulzbach liege sogar nur bei 24,4 Prozent. Grund dafür sei unter anderem ein akuter Personalmangel. "Bayern bräuchte fast 11 000 Fachkräfte, um eine pädagogisch sinnvolle Bildung der unter Sechsjährigen zu sichern", erklärte Rauscher. Zwar habe Bayern die Mittel für Betreuungseinrichtungen von 2,95 Prozent des Gesamthaushalts im Jahr 2005 auf 4 Prozent aufgestockt. Doch mit im Schnitt 2950 Euro pro Kind sei der Freistaat weiter hinten dran. Der Bundesdurchschnitt liege bei 3514 Euro.

Basis für das Leben

"Mit Bildung im Kindesalter werden Basiskompetenzen für das Leben entwickelt", unterstrich die Politikerin. "Daher gehören hierher die besten Pädagogen und nicht nur an die Universitäten." Erzieher würden dringend gesucht, aber die unzureichende Bezahlung schrecke viele junge Menschen davon ab, diesen Beruf zu wählen. Der Anstellungsschlüssel sei völlig unzureichend. Wenn auch noch die Inklusion verwirklicht werden soll, müssten multiprofessionelle Teams zum Einsatz kommen. Bei der Diskussion wurde die Forderung laut, das Thema Erziehung und Bildung wieder dem Kultusministerium zuzuordnen, da es im Sozialministerium nur am Rande mitlaufe.
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