Diskussion über Konsequenzen
Kein Schutz vor Wetter-Extrem

Die Sturzfluten in Simbach am Inn kosteten sieben Menschen das Leben und könnten annähernd eine Milliarde Euro Schaden verursacht haben. Einen sicheren Schutz gegen so ein Wetter-Phänomen gibt es laut Experten aber nicht.

München. Bayern wird sich häufiger auf extremes Wetter wie am 1. Juni einstellen müssen. "Wir haben es hier mit einem Phänomen neuer Ausprägung zu tun", erklärte der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Umweltministerium, Martin Grambow, am Donnerstag im Umweltausschuss des Landtags. Mit dem Fall im baden-württembergischen Braunsbach vier Tage zuvor habe es heuer binnen kurzer Zeit zwei Katastrophen gegeben. Eine vergleichbare Wetterlage sei zuletzt 1766 verzeichnet gewesen, meinte Grambow. "Unsere Befürchtung ist, dass so etwas künftig wesentlich häufiger passiert als früher."

In Simbach waren binnen weniger Minuten mindestens 160 Liter Wasser auf einen Quadratmeter gefallen. Das entspricht einem Fünftel des Jahresniederschlags in der Landeshauptstadt München. Grambow erläuterte, dass sich Gewitterzellen normalerweise über mehreren Orten entladen würden. In Simbach blieb diese nahe an der physikalischen Sättigung mit Wasser aufgeladene "Mega-Zelle", wie man sie sonst nur aus der Region um den Äquator kenne, aber über Stunden "ortsfest" stehen. Es sei daraus eine "punktuell zerstörerische Gewalt ohne Vorwarnzeit" entstanden.

Für ein 1000-jähriges Hochwasser (HQ 1000) seien die Schutzvorrichtungen nicht ausgelegt. Vollständigen Schutz vor solchen Extremereignissen könne es nicht geben, "da müssten wir aus Bayern wegziehen", sagte Grambow. Es gebe kein Land, das nur annähernd versuchen würde, HQ 1000-Ereignisse mit Technik zu bewältigen. Neue Risikokarten für 2000 bayerische Gemeinden würden schon zwei Milliarden Euro kosten. Aber es müsse Konsequenzen geben.

Der Ausschussvorsitzende Christian Magerl (Grüne) warnte davor, trotz dieses technisch kaum beherrschbaren Ereignisses zu kapitulieren. Als kurzfristige Konsequenzen forderte er "mehr Geld für Personal und Maßnahmen im Hochwasserschutz". Im Doppelhaushalt 2017/18 dürfe nicht mit "Kleckerlesbeträgen" aufgestockt werden. Zudem bräuchten die Kommunen an kleineren Bächen mehr Unterstützung. Florian von Brunn (SPD) nannte mehrere Punkte. Er sprach den Personalbestand in der Wasserwirtschaft, die Verbesserung der Warnung vor Unwettern, die Erstellung einer "Sturzflutengefahrenkarte" und Folgen für die kommunale Bauleitplanung an.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Landtag (65)Simbach am Inn (14)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.