DNA-Fund bei Peggys Überresten
Ermittler stehen vor Rätseln

"Der Fall NSU zeigt, dass nichts unmöglich ist." Zitat: BKA-Präsident Holger Münch

Nach dem spektakulären Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy stehen die Ermittler vor vielen Rätseln. Ungeklärte Straftaten sollen neu aufgerollt werden.

Bayreuth. Die Ermittler sehen aktuell keine Hinweise auf eine Verunreinigung oder Verwechslung: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine DNA-Spur von Böhnhardt gesichert worden, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, am Freitag in Wiesbaden. Der Fund der DNA-Spur habe auch das BKA sehr überrascht. "Der Fall NSU zeigt, dass nichts unmöglich ist."

Alte Fälle im Visier


"Dass jetzt der Verdacht besteht, dass einer der NSU-Terroristen auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte, ist unfassbar", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Clemens Binninger (CDU), forderte eine "Generalrevision" der DNA-Spuren im NSU-Komplex. "Der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt müssen sich noch mal den vielen anonymen Spuren an den NSU-Tatorten widmen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte an, die Akten zu einem ungeklärten Kindsmord aus den 1990er Jahren komplett neu überprüfen lassen zu wollen. Damals seien "Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier" gewesen, sagte der Linken-Politiker in Berlin. Und Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) erklärte: "Jetzt ergibt sich durch den Fund die Chance, bei den wenigen unaufgeklärten Fällen den Faden wieder aufzunehmen."

Spuren im NSU-Wohnmobil


Auch die Rechtsmedizin der Universität Jena schloss eine zufällige Übertragung der DNA Böhnhardts auf die sterblichen Überreste Peggys am eigenen Institut aus. Nach Angaben der für den Fall zuständigen Staatsanwaltschaft Bayreuth muss aber weiter geprüft werden, ob der DNA-Treffer möglicherweise durch eine Verunreinigung ausgelöst wurde.

Nach BKA-Angaben wurde an Kindersachen aus dem im Jahr 2011 ausgebrannten Wohnmobil der mutmaßlichen NSU-Terroristen keine DNA-Spur der toten Peggy entdeckt. Laut Münch sei zwar eine weibliche DNA gesichert worden, aber nicht die von Peggy.

Der Fall NSU zeigt, dass nichts unmöglich ist.BKA-Präsident Holger Münch
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