Donald Trump reibt sich die Hände
Hillary Clinton im E-Mail-Strudel

Zur Unzeit kommen für Hillary Clinton die neuen Ermittlungen des FBI in der E-Mail-Affäre. Zehn Tage vor der US-Präsidentenwahl ist unklar, wie sehr ihr die Angelegenheit schaden wird oder ob ihr die Vorwürfe sogar den Sieg kosten könnten. Bild: dpa

Donald Trump reibt sich die Hände: Endlich drehen sich die Schlagzeilen nicht mehr darum, wie er Frauen behandelt. Jetzt ist Hillary Clinton in der Mangel. Ihre E-Mail-Affäre blitzt plötzlich wieder auf - und das massiv.

Von Michael Donhauser und Gaby Chwallek, dpa

Washington. Wieder hat die E-Mail-Affäre die Demokratin Hillary Clinton im Wahlkampf eingeholt - ausgerechnet im Endspurt. Wie FBI-Chef James Comey am Freitag (Ortszeit) enthüllte, prüft die Bundespolizei E-Mails aus der Zeit Clintons als Außenministerin, auf die sie im Zuge von Ermittlungen gegen einen Ex-Kongressabgeordneten gestoßen ist. Die juristische Bedeutung könnte am Ende gering oder sogar null sein, vermuten Experten. Wie sie sich die Sache politisch auswirkt, steht auf einem anderen Blatt. Die wichtigsten Fragen zu dem Fall:

Worum geht es überhaupt in der E-Mail-Affäre?

Clinton hat als US-Außenministerin auch dienstliche E-Mails über einen privaten Server verschickt. Darunter waren auch mehrere als geheim eingestufte Informationen. Das FBI kam nach seinen Untersuchungen im Sommer zu dem Schluss: extrem sorglos, aber nicht strafbar. Die neuen E-Mails wurden nun anscheinend im Zuge von Ermittlungen gefunden, die sich gegen den Ehemann von Clintons engster Beraterin Huma Abedin, Anthony Weiner, richten. Es geht um den Vorwurf, dass er anstößige SMS unter anderem auch an Minderjährige verschickt hat. Wie es heißt, wurden die Mails auf seinem Computer entdeckt, den seine Frau offenbar mitbenutzt hat. Abedin trennt sich gerade von ihrem Mann.

Beinhalten die neuen E-Mails politischen Sprengstoff?

Das ist völlig unklar. Clinton selbst sagt, sie könne sich nicht vorstellen, was da Problematisches drin sein solle und fordert das FBI auf, möglichst schnell alle Fakten auf den Tisch zu legen. Ihr politischer Gegner Donald Trump spricht dagegen jetzt schon von einem erneuten Beweis dafür, dass Clinton völlig korrupt sei.

Gibt es eine versteckte Agenda?

Das vermuten Demokraten. Comey wurde zwar von Präsident Barack Obama für das Amt des FBI-Direktors nominiert, ist aber Republikaner. Die Prüfung der neu entdeckten E-Mails gab er in einem Brief an ranghohe Kongressmitglieder bekannt. Ein republikanischer Abgeordneter aus Utah, der monatelang als Trump-Kritiker auftrat, war der erste, der die Nachricht streute. Einen Tag vorher hatte er Donald Trump seine Unterstützung zugesichert.

Sehr gut möglich ist es, dass Comey schlicht Vorwürfe nach einem etwaigen Clinton-Wahlsieg vermeiden will, er habe die Sache absichtlich zugunsten der Demokratin unter dem Deckel gehalten. Nachdem die FBI-Ermittlungen in der E-Mail-Affäre im Sommer zu keiner Anklage geführt hatten, war er unter massiven Beschuss der Republikaner geraten. Es machten auch Gerüchte die Runde, dass Comey intern beim FBI unter Druck geraten sei, weil er Clinton zuvor zu sanft angefasst habe. Die Demokratin nannte Comeys Vorgehen "merkwürdig", "bisher einmalig" und "besorgnisserregend". Das Justizministerium wies darauf hin, dass Comey sich nicht den Regeln entsprechend verhalten hatte.

Wird es rasch Klarheit geben?

Das ist völlig offen. Laut Bundespolizei kann man derzeit nicht sagen, wie lange die Untersuchungen dauern werden. Gewiss ist dagegen schon jetzt: Je länger die Unklarheit anhält, desto größer der politische Schaden für Hillary Clinton. Im schlechtesten Fall für alle Beteiligten würde Clinton zur Präsidentin gewählt und müsste sich schon wenig später einer Untersuchung stellen, vielleicht sogar einem Amtsenthebungsverfahren wie einst ihr Ehemann Bill.

Was weiß man denn überhaupt bisher über die neuen E-Mails?

Offiziell eigentlich nichts. Comey hat betont, dass offen sei, ob sie überhaupt irgendwelche Relevanz im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre haben. Es ist nicht einmal klar, um wie viele Mails es sich handelt und von wem sie stammen. Die "Washington Post" spricht von mehr als 1000 und zitiert einen namentlich nicht genannten Justizbeamten mit der Angabe, dass die Mails Korrespondenzen zwischen Abedin und Clinton einschlössen. Möglich ist es auch, dass es sich um Duplikate von bereits untersuchten und bekannten Mails handelt.
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